23. ilb 06. – 16.09.2023

Mark Strand

Mark Strand wurde 1934 in Summerside auf der kanadischen Prinz-Edward-Insel geboren und wuchs in den Vereinigten Staaten und Südamerika auf. Er studierte am Antioch College in Ohio, an der Yale University und an der University of Iowa, wo er nach einem einjährigen Italienaufenthalt als Fulbright-Stipendiat zu unterrichten begann. 1965 war er Fulbright-Lektor an der Universidade do Brasil in Rio de Janeiro. Anschließend lehrte er in Columbia, Princeton, Harvard und den Universitäten von Utah und Chicago.

Seit seinem ersten Gedichtband, »Sleeping with One Eye Open« (1964; Ü: Mit einem Auge offen schlafen), ist die menschliche Vergänglichkeit Strands zentrales Thema. Seine Gedichte schildern mit gängiger, einfacher Sprache beiläufige Szenen, über denen eine traumhafte bis albtraumhafte Atmosphäre liegt. In der Evozierung einer unaufhebbaren Fremdheit sind sie oft unheildrohend, gleichzeitig aber auch ironisch und sogar komisch. »Ich habe immer versucht, sowohl humorvoll, als auch gleichzeitig ernsthaft zu sein«, sagt Strand, für den ein gutes Gedicht ausmacht, dass es den Leser berührt und seinen Zugang zur Welt verändert. »Ein Gedicht ist ein Ort, an dem die Bedingungen von Jenseitigkeit und Diesseitigkeit augenfällig gemacht werden; wenn sich etwas vorzustellen bedeutet: zu fühlen, wie es ist, zu sein. Es erlaubt uns, das Leben zu führen, das uns dadurch verweigert wird, dass wir zu beschäftigt mit dem Leben sind. Oder noch paradoxer: Ein Gedicht erlaubt uns, so in uns zu leben, als befänden wir uns außerhalb unserer eigenen Reichweite.«

So konstant sich Metaphorik, Stil und Qualität in Strands Werk erhalten haben, so variabel ist es formal. Es reicht von festen Formen wie der spielerischen Villanelle über freie Verse bis hin zum Prosagedicht. Seit 1997 liegt mit »Dunkler Hafen« eine Auswahl von Strands Gedichten auf Deutsch vor. Neben Lyrik veröffentlichte der Autor auch Essaybände vor allem über ästhetische und literaturtheoretische Themen, zahlreiche Übersetzungen aus dem Spanischen und Portugiesischen, Kinderbücher sowie drei Monografien über zeitgenössische amerikanische Maler. In »Hopper« (1994; dt. »Über Gemälde von Edward Hopper«, 2004) legt er klare und unprätentiöse Analysen der Bilder jenes Malers vor, der von Kritikern immer wieder als Strands Seelenverwandter beschrieben wird. Ähnliche Szenen einer befremdenden Entrücktheit, die auf einer visuellen Vorlage beruhen, evoziert Strand in den Gedichten »Two de Chiricos« über Gemälde des Malers der »pittura metafisica«. Der Band »Blizzard of One« (1998; Ü: Blizzard von Einem), in dem sie enthalten sind, wurde mit dem Pulitzer-Preis ausgezeichnet. Daneben erhielt Strand kontinuierlich Preise wie den Bollingen Prize und den Edgar Allan Poe Prize. 1990 wurde er von der Library of Congress zum Poet Laureate der Vereinigten Staaten gewählt. Von 1991 bis 2000 war Strand Chancellor der Academy of American Poets. Bis 2005 lehrte er im Committee on Social Thought an der University of Chicago. Momentan ist er an der Columbia University New York als Dozent für Komparatistik und Englisch tätig. Im Herbst 2007 wird sein neuer Gedichtband „New Selected Poems“ (Ü: Neue ausgewählte Gedichte) erscheinen.

Der Autor verstarb am 29. November 2014. 

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