23. ilb 06. - 16.09.2023

Marit Kapla

Die schwedische Kulturjournalistin und Autorin Marit Kapla wuchs in Osebol in der Gemeinde Torsby auf. Ihre Eltern waren kurz nach ihrer Geburt dorthin gezogen, weil der Vater eine Lehrstelle an der Volkshochschule Klarälvdalen auf der anderen Seite des Flusses übernahm. Marit Kapla arbeitete für die lokale Morgenzeitung »Värmlands Folkblad«, zog 1998 nach Göteborg, arbeitete für das schwedische Unterhaltungsmagazin »Nöjesguiden« und das TV-Journal »Filmkrönikan« im öffentlich-rechtlichen Sveriges Television AB. Von 2007 bis 2014 war sie künstlerische Leiterin des Göteborg Film Festivals, 2014/2015 gehörte sie zu den Gründer:innen der digitalen Streaming-Plattform Draken Film des Festivals. 2016 bis 2020 war sie eine von zwei Redakteur:innen beim schwedischen Kulturmagazin »Ord & Bild«.

2019 debütierte Marit Kapla mit »Osebol«, einem über achthundert Seiten starken Buch mit Interviews, die sie mit den 42 erwachsenen Einwohnern von Osebol im Norden Värmlands führte. Die Gespräche fanden in häuslicher Umgebung statt, wonach Kapla die Interviews transkribierte und aus sorgfältig ausgewählten Zitaten ein Buch zusammenstellte. Die Personen werden jeweils mit Namen vorgestellt, ihr Alter liegt zwischen 18 und 92 Jahren. Marit Kaplas Buch ist nicht nur ein Zeitdokument, sondern hat auch lyrische Qualitäten. Wie ein Prisma wirft es ein neues Licht auf das dörfliche Leben. Der Name Osebol leitet sich möglicherweise von dem weiblichen Vornamen Åsa ab und verweist auf eine Person dieses Namens, die in diesem Dorf gelebt haben soll; der Name »Osebol« taucht in den Quellen erstmals 1503 auf. Fluss- und Forstindustrie hatten das Dorf und die Landschaft geprägt. Doch nun ist selbst der Kartoffelanbau nicht mehr rentabel, längst wurden auch alle Forstarbeiten eingestellt, Fabriken und Schulen geschlossen. Es gibt außer der schrumpfenden Zahl von alteingesessenen Bewohner:innen jedoch auch Einwanderer:innen und zugezogene Städter:innen, die sich nach ländlicher Ruhe sehnen. »Osebol« wurde von der Kritik positiv aufgenommen und mit Edgar Lee Mastersʼ »Die Toten von Spoon River« und den Reportagebüchern von Swetlana Alexijewitsch verglichen.

Marit Kapla wurde für ihr Debüt mit dem renommierten schwedischen August-Preis geehrt und erhielt außerdem den Debütpreis von »Borås Tidning«, den Guldpennan-Preis des Publicistklubben, das Göran-Palm-Stipendium, den Autorenpreis des Studieförbundet Vuxenskolan, das Literaturstipendium der Region Värmland und das Debütantenstipendium von Föreningen Värmlandslitteratur. Die Autorin lebt in Göteborg.

Stand: 2022