22. ilb 07. - 17.09.2022

Mario Vargas Llosa

Mario Vargas Llosa wurde 1936 im peruanischen Arequipa geboren und wuchs in Bolivien, Nordperu und Lima auf. Dort studierte er Literaturwissenschaften sowie Jura und promovierte in Madrid. Er zählt mit García Márquez, Cortázar und Fuentes zum Quartett des Booms der lateinamerikanischen Literatur. Seine ersten drei Romane – als Meisterwerk gilt insbesondere »Conversación en La Catedral« (1969; dt. »Gespräch in der ›Kathedrale‹«, 1984) – schrieb er in Europa; er lebte in Paris, London und Barcelona. 1975 kehrte er nach Peru zurück und engagierte sich zunehmend politisch. Als Kandidat für die peruanischen Präsidentschaftswahlen unterlag er 1990 Alberto Fujimori. Mit seinem Eintreten für Demokratie und individuelle Freiheit gilt er seither als moralische Instanz.

Vargas Llosas frühes Romanwerk zeichnet sich durch avancierte literarische Formen und eine präzise polyfone Struktur aus. Im Bemühen um den »totalen Roman« wird ein Kaleidoskop der peruanischen Gesellschaft aus Splittern geschichtlicher und geografischer Beschreibungen, verschiedenen Handlungs- und Zeitebenen quer durch alle Gesellschaftsschichten entworfen. Wirklichkeit scheint als artifiziell-fiktionales Konstrukt auf. Eine wichtige Inspirationsquelle bildete stets die eigene Biografie: Im Romandebüt »La ciudad y los perros« (1962; dt. »Die Stadt und die Hunde«, 1965) wird die traumatische Erfahrung des Lebens in einer Kadettenanstalt aufgegriffen. »La tía Julia y el escribidor« (1977; dt. »Tante Julia und der Lohnschreiber«, 1977) verarbeitet die erste, früh geschlossene Ehe des Autors mit seiner 14 Jahre älteren Tante. Während sich satirischer Ton und erotische Schilderungen auch im späteren Werk hielten, reduzierte Vargas Llosa zunehmend die erzählerische Komplexität seines Werks, das auch literaturtheoretische und politische Essays, Vorträge und Memoiren umfasst. In »El sueño del celta« (2010; dt. »Der Traum des Kelten«, 2011) reflektiert die Hauptfigur die Schrecken des Kolonialismus. Sein jüngster Roman »Tiempos recios« (2019; dt: »Harte Jahre«, 2020) erzählt vom Sturz des guatemaltekischen Präsidenten Árbenz 1954 durch eine CIA-Intervention anlässlich der bedrohten Monopolstellung der amerikanischen United Fruit Company, was Lateinamerika langfristig in eine verheerende wirtschaftliche Lage stürzte.

Vargas Llosa war Präsident des internationalen PEN und ist Mitglied der Reál Academía Española sowie mehrfacher Ehrendoktor (u. a. der Humboldt-Universität zu Berlin). »Für seine Kartografie von Machtstrukturen und seine energischen Bilder des individuellen Widerstands, der Rebellion und Niederlage« wurde Mario Vargas Llosa 2010 mit dem Nobelpreis für Literatur geehrt. Zu seinen weiteren Auszeichnungen gehören der Premio Cervantes, der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels, der National Book Critics Circle Award, der Premio Ortega y Gasset und der PEN/Nabokov Award. Er lebt in Madrid, Paris und New York.

Unter folgenden Links können Sie sich die Veranstaltungen mit Mario Vargas Llosa auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen:

https://youtu.be/4pGti5-ng0o

https://youtu.be/Y_dMPMh7ZA8

https://youtu.be/WqQf0rJo7SU