22. ilb 07. - 17.09.2022

María Teresa Andruetto

María Teresa Andruetto wurde 1954 in Arroyo Cabral in der argentinischen Provinz Córdoba geboren, wo sie auch heute lebt. Nach ihrem Literaturstudium an der Universidad Nacional de Córdoba spezialisierte sie sich im Bereich Kinder- und Jugendliteratur. Sie arbeitete in der Redaktion des Kinder- und Jugendbuchmagazins „Piedra Libre“ und wirkte an der Gründung eines Forschungszentrums für Kinder- und Jugendliteratur mit, dessen Direktorium sie neun Jahre angehörte. Seit Ende der achtziger Jahre sind zahlreiche Kurzgeschichten, Erzählungen, Romane, Gedichte und Theaterstücke für Erwachsene, Kinder und Jugendliche erschienen.

2003 wurde mit „Stefano“ (1997; dt. „Stefanos weite Reise“) zum ersten Mal einer ihrer Jugendromane in deutscher Sprache publiziert. Darin erzählt sie die Geschichte Stefanos, der in den vierziger Jahren nach Argentinien auswandert, um den ärmlichen Verhältnissen im italienischen Piemont zu entfliehen. Nach einer abenteuerlichen Überfahrt in die Fremde schlägt sich Stefano zunächst mit einfachen Jobs im Immigrantenhotel und auf der Rinderfarm seines Freundes Pino durch. Doch schon bald zieht es ihn fort. Als Saxophonspieler kommt er zum Zirkus, bevor er in der neuen Heimat eine eigene Familie gründet. Andruetto erscheint wie eine „schweigsame Erzählerin“, die allerdings viel zu sagen hat. Unsentimental und schlicht beschreibt sie die lange Reise eines jungen Mannes zu sich selbst. Nach und nach fügen sich die bruchstückhaften Erinnerungen und Eindrücke des Ich-Erzählers wie Puzzlestücke zusammen – literarisch raffiniert aus drei Perspektiven erzählt. „Stefano“ ist auch für die Autorin eine Reise zu den Spuren ihres eigenen Vaters. Dennoch erzählt sie nicht in biographischer Strenge. Vielmehr verknüpft sie seine Erlebnisse mit den Schicksalen von Millionen Einwanderern, die zwischen Ende des 19. und Mitte des 20. Jahrhunderts nach Argentinien kamen. „Wenn ein Buch ein Weg ist, die Welt zu begreifen und unseren Platz darin zu finden, dann hat mir „Stefano“ ermöglicht, die Erfahrungen von Hunger, Entwurzelung und Entfremdung nachzuempfinden, die Menschen auf der Suche nach einem besseren Leben damals wie heute immer wieder machen.“

María Teresa Andruetto wurde vielfach ausgezeichnet, unter anderem für die Kinderbücher „El anillo encantado“ (1993) und „Huellas en la arena“ (1997). Mehrere ihrer Kinder- und Jugendbücher fanden Eingang in den „White Ravens“-Katalog der Internationalen Jugendbibliothek München, darunter der Erzählband „La mujer vampiro“ (2001; Ü: Die Vampir-Frau), in dem sie Elemente alter Gruselgeschichten aufgreift und diese spannend und humorvoll mit der heutigen Alltagswelt von Kindern verknüpft. Neben ihrer literarischen Tätigkeit unterrichtet die Autorin kreatives Schreiben, bildet Literaturvermittler im Kinder- und Jugendbuchbereich aus und arbeitet als Lektorin des Verlags Ediciones del Eclipse.

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