23. ilb 06. – 16.09.2023

Margaret Atwood

Margaret Atwood wurde 1939 in Ottawa, Ontario, geboren. Ihr Vater war Insektenforscher, daher verbrachte sie einen Großteil der Kindheit in den Wäldern nördlich von Quebec bzw. in verschiedenen kanadischen Städten. Schon als Teenager wollte sie professionell schreiben. Ab 1957 studierte sie Anglistik in Toronto, erwarb 1962 einen Master am Radcliffe College der Harvard University und begann eine Dissertation. Neben dem Schreiben unterrichtete Atwood ab 1964 Englisch an Universitäten in Vancouver, Montreal, Alberta und Toronto.

Atwoods Gedichte sind oft von Märchen und Mythen inspiriert, die sie seit ihrer Kindheit faszinieren. Ihr erster Lyrikband »Double Persephone« erschien 1961 und gewann die E. J. Pratt Medal in Poetry, ihr jüngster, »Dearly«, erschien 2020 [dt. 2022]. Im selben Jahr wurde eine Sammlung ihrer Gedichte aus den Jahren 1965 bis 1995 unter dem Titel »Die Füchsin« auf Deutsch publiziert.

Ihr erster Roman »The Edible Woman« [1969; dt. »Die essbare Frau«, 1985], eine Sozialsatire des nordamerikanischen Konsumverhaltens, ist ein frühes Beispiel feministischer Literatur. In den 1970er-Jahren wurde Atwood zu einer wichtigen Stimme der kanadischen Literatur.

Ihren preisgekrönten, von Volker Schlöndorff 1990 verfilmten und seit 2017 in Form einer Fernsehserie umgesetzten Roman »The Handmaidʼs Tale« [1985; dt. »Der Report der Magd«, 1987] rechnet sie selbst dem Genre der spekulativen Fiktion zu, auch wenn Atwood stets eine Abneigung gegen Genrebezeichnungen hatte. Zu den Hauptthemen ihres Œuvres gehören Mythen, Religionen, Geschlechteridentität sowie die Stellung der Frau in der Gesellschaft.

In »The Robber Bride« [1993; dt. »Die Räuberbraut«, 1994], das im heutigen Toronto spielt, sowie im historischen Roman »Alias Grace« [1996; dt. 1996] stehen jeweils weibliche Charaktere im Mittelpunkt, die mit dem Klischee weiblicher Güte brechen. Eines ihrer wichtigsten Anliegen ist der Umweltschutz, für den sie sich auch als Aktivistin einsetzt.

Atwoods zehnter, mit dem Booker Prize ausgezeichneter Roman »The Blind Assassin« [2000; dt. »Der blinde Mörder«, 2000] erzählt u. a. die Liebesgeschichte zwischen einer jungen Frau aus gutem Hause und einem jungen Linken, der auf der Flucht vor der Polizei ist. Ihr dystopischer Roman »Oryx and Crake« [2003; dt. »Oryx und Crake«, 2003], erster Teil der MaddAddam-Trilogie, beschäftigt sich mit Themen wie Genmanipulation, der Macht der Pharmaindustrie und menschengemachten Naturkatastrophen.

Als Klassiker-Bearbeitungen erschienen »The Penelopiad« [2005; dt. »Die Penelopiade«, 2005], eine Nacherzählung der »Odyssee« aus der Perspektive von Penelope, sowie »Hag-Seed« [2016; dt. »Hexensaat«, 2017], basierend auf Shakespeares »The Tempest«.

Einen weiteren Booker Prize erhielt Atwood für den Roman »The Testaments« [2019; dt. »Die Zeuginnen«, 2019], eine Fortsetzung von »The Handmaidʼs Tale«, der die Lebensgeschichten dreier Frauen vor dem Hintergrund des Niedergangs des fiktiven Staates Gilead erzählt. In ihrer jüngsten Publikation »Burning Questions« [2022] sind Essays aus den Jahren 2004 bis 2021 dieser »kühnen und faszinierenden Denkerin« [»Observer«] versammelt.

Für ihre Lyrik, ihre Prosa, ihre Sach- und Kinderbücher erhielt Atwood zahlreiche Auszeichnungen. Der Griffin Poetry Prize und der Atwood Gibson Writersʼ Trust Fiction Prize wurden von ihr selbst mitbegründet. Ihre Werke liegen in über dreißig Sprachen vor. Atwood lebt in Toronto.