22. ilb 07. - 17.09.2022

Maren Kames

Maren Kames wurde 1984 in Überlingen am Bodensee geboren. Sie studierte zunächst Kulturwissenschaften, Philosophie und Literatur- und Theaterwissenschaft in Tübingen und Leipzig und danach Kreatives Schreiben und Kulturjournalismus in Hildesheim, wo sie von 2011 bis 2013 Mitherausgeberin der Literaturzeitschrift »BELLA triste« war.

2013 gewann sie den 21. Open Mike, ein Jahr darauf war sie Stipendiatin des Gargonza Arts Award und wurde zum 18. Klagenfurter Literaturkurs eingeladen. Ihre erste Veröffentlichung erfolgte 2016 mit dem Band »Halb Taube Halb Pfau«. Die Texte sprengen die üblichen Genregrenzen und bewegen sich zwischen Lyrik, Prosa und Drama. Zum einen spricht ein lyrisches Ich, das tastend die Welt erkundet und versucht, mit Worten und Bildern die Stille zu füllen, zum anderen gibt es Stimmen einer Gegenrede, die sich zu Dialogen verdichten oder als Echo widerhallen. Über eine ins weitläufige Satzbild integrierte Audioebene tauchen diese Stimmen auch physisch im Text auf. Mit Registerwechseln, einer Klangvielfalt des sprachlichen Ausdrucks, aber auch humorvollen Einsprengseln zeigt sich Kames bereits in ihrem Debüt als unverwechselbare Erscheinung der deutschsprachigen Poesie. Die Jury des Düsseldorfer Poesiedebütpreises, mit dem »Halb Taube Halb Pfau« 2017 ausgezeichnet wurde, lobte das Werk: »Mit dem überraschenden Einsatz von Ton-Collagen werden die Grenzen der visuellen Wahrnehmung von Literatur erweitert, das außergewöhnlich schön gestaltete Buch erhält eine zusätzliche sinnliche Dimension. Mit ihrem Debüt erweist sich Maren Kames als neue poetische Stimme eigener Prägung, die Präzision und Lust am Sprachspiel zu verbinden weiß.« Außerdem erhielt das Werk im selben Jahr den Anna Seghers Preis. In den Jahren vor und nach Erscheinen des Buches inszenierte sie den Text in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlerinnen und Komponisten als Live-Hörspiele, Installationen und Performances u. a. im HKW Berlin, der Galerie Johann König, den Literaturhäusern Stuttgart und Freiburg und der Oper Köln. Texte aus »Halb Taube Halb Pfau« liegen dem Hörspiel »90° 0ʼ 0ʼʼ« zugrunde, das in Zusammenarbeit mit Milena Kipfmüller und Klaus Janek für den SWR produziert und von der Deutschen Akademie für Darstellende Künste in Darmstadt zum Hörspiel des Monats Juni gewählt wurde. Im August 2019 erschien Kamesʼ zweiter Band »Luna Luna«; ein vom Deutschlandfunk produziertes Hörspiel in Regie von Leopold von Verschuer wurde im selben Monat im Deutschlandfunk urgesendet.

Kames erhielt u. a. ein Jahresstipendium des Landes Baden-Württemberg, den Kranichsteiner Literaturförderpreis und war Stipendiatin des Literaturhauses Stuttgart auf Schloss Solitude und zuletzt der Villa Aurora in Los Angeles. Sie lebt als Autorin und literarische Übersetzerin in Berlin.