22. ilb 07. - 17.09.2022

Malika Ferdjoukh

Malika Ferdjoukh wurde 1957 an der algerischen Mittelmeerküste geboren und lebt seit ihrer frühen Kindheit in Paris. Nach dem Abitur studierte sie Film- und Literaturwissenschaft, arbeitete zunächst in einem Kinderkrankenhaus und als Lehrerin. Über sich selbst sagt sie: „Ich liebe alles, was Geschichten erzählt. Das Kino ebenso wie die Literatur.“ Seit 1989 schreibt sie Kinder- und Jugendromane, Fernsehdrehbücher und veröffentlicht Romane für Erwachsene unter Pseudonym.

Elegant, leichtfüßig und wie mit einem Lächeln auf den Lippen geschrieben, entwickelt Ferdjoukh ihre Geschichten, in denen häufig Geheimnisse, kuriose Vorfälle und überraschende Entdeckungen zum Aktionsfeld der jungen Protagonisten werden. Die heitere Grundmelodie ihrer Texte unterfüttert die Autorin mit Suspense-Elementen und  zugleich einer gewissen Ernsthaftigkeit. Der spielerisch-humorvolle Umgang mit schwierigen Themen wie Liebe, Scheidung, Arbeitslosigkeit oder Gewalt verleiht ihren Büchern eine große Vielschichtigkeit.

So trotzt in ihrem Jugendthriller „Fais-moi peur“ (1994; dt. „Mach mir Angst!“, 2001) eine Schar gewitzter Kinder einem rassistischen Mörder. Die Autorin erzählt von Monsieur N., der an einer ‚Krankheit’ namens Fremdenhass leidet. Während sich die jüdischen Geschwister Mintz bei „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ lustvoll gruseln und den elternlosen Vorweihnachtsabend zum Popcornmachen nutzen, betritt ein wirklicher Mörder den Schauplatz. Ferdjoukh zeigt das familiär-vertraute Zusammensein unter Geschwistern ebenso vergnüglich und authentisch wie die verschiedenen Gesichter, die das Böse haben kann – das des zu klein geratenen Monsieur N., der nicht immer ein Mörder war, oder das der SS-Schergen, die Großmama Mintz noch heute in ihren Träumen peinigen. 2004 erschien Ferdjoukhs Jugendroman „Sombres citrouilles“ (1999; dt. „Schwarze Kürbisse“) in deutscher Übersetzung. Als die Zwillinge Violette und Annette, sowie Colin, Hermès und Madeleine an Halloween einen Toten im Kürbisbeet des Familienanwesens entdecken, entspinnt sich eine turbulente Mörderjagd. Bis zum spannenden Finale entwickelt die Autorin ein Familientableau von großer atmosphärischer Dichte, hinter dem sich menschliche Abgründe auftun und Kinder die verlogene Welt der Erwachsenen demaskieren. Wie im Film nutzt die Autorin dazu präzise Schnitte und überraschende Perspektivwechsel.

Für „Les joues roses“ (1993; dt. „Wie verliebt man seinen Vater?“, 1996) erhielt Malika Ferdjoukh 1993 den Grand Prix du Roman Jeunesse und ein Jahr später den Prix Beaugency für das lustigste Kinderbuch des Jahres. „Sombres Citrouilles“ wurde mit dem Prix Sorcières 2000 ausgezeichnet. Zu ihren zuletzt erschienenen Werken für Jugendliche gehört die vierteilige „Quatre Soeurs“-Serie (2003f), die unter dem Titel „Die vier Schwestern“ (2005f) bereits in deutscher Übersetzung erschienen ist.

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