Michael Maar

Michael Maar © Hartwig Klappert

Michael Maar wurde 1960 in Stuttgart geboren. Er studierte Germanistik und Psychologie an der Otto-Friedrich-Universität in Bamberg und schrieb seine Dissertation über Thomas Mann, die 1996 unter dem Titel »Geister und Kunst. Neuigkeiten aus dem Zauberberg« erschien und für die er 1995 mit dem Johann-Heinrich-Merck-Preis der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung ausgezeichnet wurde. Als Literaturkritiker insbesondere der Werke der Moderne publiziert er seine Texte seit den 1990er in deutschsprachigen Zeitungen und Zeitschriften. Seine Essays zu Autoren wie H. C. Andersen, Elias Canetti, G. K. Chesterton, Franz Kafka, Thomas Mann, Robert Musil, Vladimir Nabokov, Marcel Proust, Virginia Woolf u.a. erschienen in einer Reihe von Büchern. So ging er in »Das Blaubartzimmer. Thomas Mann und die Schuld« (2000) der Frage nach, warum Thomas Mann nach der Zeit des Exils einen wiedergefundenen Koffer mit seinen vor 1933 geschriebenen Tagebüchern verbrannte. In »Warum Nabokov Harry Potter gemocht hätte« (2002) analysiert Maar die Bücher von Joanne K. Rowling als literarische Kunstwerke von Rang. »Lolita und der deutsche Leutnant« (2005) spürt den Parallelen zwischen Heinz von Lichbergs Novelle »Lolita« (1916) und Nabokovs gleichnamigen Meisterwerk (1955) nach. Maars Nabokov-Studie »Solus Rex. Die schöne böse Welt des Vladimir Nabokov« (2007) stand 2008 auf der Shortlist für den Leipziger Buchpreis. In den sieben Essays seines Bands »Proust Pharao« (2009) berücksichtigt Maar unbekannte biografische Details, die neue Sichtweisen auf Schlüsselstellen von Prousts Epos »Recherche du temps perdu« ermöglichen.

Als Schriftsteller debütierte Maar 2012 mit dem Roman »Die Betrogenen«. Die Handlung spielt in der deutschen Literaturszene der Nachwendezeit, zielt jedoch weniger auf eine Milieustudie mit Enthüllung von Lügen und Eitelkeiten ab, als auf ein allgemeines Porträt menschlicher Leidenschaften. In seinem Werk »Heute bedeckt und kühl. Große Tagebücher von Samuel Pepys bis Virginia Woolf« (2013) trug Maar erstaunlich Fundstücke mit einem großen zeitlichen Bogen zusammen. Vertreten sind Autoren wie Thomas Mann, Friedrich Hebbel, John Cheever, Hermito von Doderer bis hin zu Christa Wolf, Peter Sloterdijk, Rainald Goetz und Wolfgang Herrndorf. In seinem jüngsten Werk »Die Schlange im Wolfspelz: Das Geheimnis großer Literatur« schildert Maar in fünfzig Autorenporträts seine Überlegungen zur Geschichte der deutschen Literatur, u.a. zu Fragen des Stils, des Jargons, des Satzbaus und zur Kunst des Dialogs.

Maar ist seit 2002 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und seit 2008 der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Ausgezeichnet wurde u.a. mit dem Lessing-Preis für Kritik (2000) und dem Heinrich-Mann-Preis (2010). Er lehrte u.a. an der Stanford University und lebt in Berlin.