22. ilb 07. - 17.09.2022

Judith Kuckart

Die deutsche Regisseurin und Schriftstellerin Judith Kuckart wurde 1959 in Schwelm in der Nähe von Wuppertal geboren. Sie durchlief eine Tanzausbildung an der Folkwang-Schule Essen, wonach sie bis 1983 in Köln und Berlin Literatur- und Theaterwissenschaft studierte. Danach war sie Assistentin am Choreographischen Theater der Stadt Heidelberg und eines der fünf Mitglieder des TanzTheatersSkoronel (Berlin), dessen Leiterin sie später wurde. Ohne feste Spielstätte, aber mit festem Ensemble, das mit Gästen ergänzt wurde, tourte die freie, professionelle Gruppe bis 1998 durch ganz Deutschland und andere europäische Länder. Seit 1999 arbeitet Judith Kuckart als freie Regisseurin.
Als Schriftstellerin debütierte sie mit dem Roman »Wahl der Waffen« (1990), der Geschichte zweier Frauen. Jette, geboren im Krieg, wird zur Terroristin und meistgesuchten Frau Deutschlands; Katia, die von ihr als Kind gehütet wurde, macht sich auf Spurensuche, nachdem sie von Jettes Tod im Libanon erfahren hat. Der Roman ist eine behutsame Annäherung an tatsächliche Ereignisse im Westdeutschland der siebziger Jahre. »Kuckart erzählt assoziativ, eröffnet so verschiedene Möglichkeiten des Weiterdenkens, lässt Deutungen zu, die sie selbst in Betracht zieht, aber nicht suggeriert«,so Monika Maron in »Der Spiegel«.Ihrem Debüt folgten weitere Romane: »Die schöne Frau« (1994) und »Der Bibliothekar« (1998). Nach einem Stipendienaufenthalt in der Villa Massimo veröffentlichte Judith Kuckartden tagebuchartig gegliederten Text »Sätze mit Datum« (1998), der ihre Beobachtungen und Empfindungen aus dieser Zeit sowie die Trauer um die kurz zuvor verstorbene Mutterreflektiert und später zu einem Hörspiel verarbeitet wurde. Es folgten die Romane »Lenas Liebe« (2002), »Kaiserstraße« (2006) und »Die Verdächtige« (2008) sowie der Erzählband »Die Autorenwitwe« (2006). In ihrer Prosa verkoppelt sie zumeist Zeitgeschichte und Politik, sei es die NS-Zeit, die frühe Bundesrepublik oder Deutschland nach der Wiedervereinigung, mit dem persönlichen Leiden und Lieben ihrer Protagonist*innen. In »Kein Sturm, nur Wetter« (2019) verfeinert sie dieses Verfahren zu einem existenziellen Nachdenken über die Wendepunkte in Biografien und grundlegende, persönlichkeitsstiftende Lebensthemen wie Erinnern, Verdrängen und Einsamkeit: »Wir sind, was wir erinnern und was wir vergessen.«
Sie erhielt zahlreiche Preise und Stipendien, u. a. den Literaturpreis Ruhr, den Annette von Droste Hülshoff Preis und den deutschen Kritikerpreis. Ihre Werke wurden in mehrere Sprachen übersetzt. Die Autorin lebt in Berlin.