Marianne Kaurin

Portrait Marianne Kaurin
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Die norwegische Kinder- und Jugendbuchautorin Marianne Kaurin, geboren 1974, studierte am Norwegischen Kinderbuchinstitut in Oslo und debütierte 2012 mit dem Jugendroman »Nœrmere høst« (dt. »Beinahe Herbst«, 2019).
Erzählt wird von einer jüdischen Familie zu Zeiten der NS-Diktatur, die Norwegen nicht wie andere rechtzeitig verlässt, weil sie sich nicht vorstellen kann, von ihren Nachbarn verraten zu werden. Schließlich erfolgt ihre Verhaftung, und die Familie erlebt die Brutalität der Besatzer am eigenen Leib. Kaurin erzählt diese Geschichte nicht nur aus der Opfer-, sondern auch aus Tätersicht sowie aus der Perspektive jener, die den Verbrechern Widerstand geleistet haben. Für ihren Roman wurde Kaurin mit dem Uprisen für das beste Jugendbuch 2013 und dem Debütantenpreis des norwegischen Kultusministeriums ausgezeichnet. In der Begründung der Jury heißt es: »Mit ihrer außergewöhnlichen Sprache und ihrer Nuanciertheit hat Kaurin eine politische Erzählung geschaffen, die in ihrer Aktualität weit über den Zweiten Weltkrieg hinausweist. Ihre wohlformulierten Sätze und ihre Perspektivwechsel zwischen den Personen des Romans beleben das Genre des historischen Jugendromans.« Kaurins nächstes Buch »Deres Majestet« (2016; dt. »Emil und die Prinzessin aus dem Nachbarhaus«, 2019) handelt von der ersten Liebe: Das Leben des neunjährigen Emil verläuft in normalen Bahnen, bis eine neue Mitschülerin in seine Klasse kommt, Florine, mit der ihn zunächst ein Spiel verbindet – Florine in der Rolle einer Prinzessin, Emil in der ihres Dieners. Doch nach einiger Zeit stellt sich Emil die Frage, ob eine Prinzessin sich überhaupt in einen Diener verlieben kann. In ihrem jüngsten Buch »Syden« (2018; dt. »Irgendwo ist immer Süden«, 2020) für Kinder von elf bis dreizehn Jahren erzählt Kaurin von einer Sechstklässlerin, die ihren Mitschüler*innen vorlügt, sie würde die bevorstehenden Sommerferien im Süden verbringen. Tatsächlich hat ihre Mutter gar kein Geld für solche Reisen. Damit ihre Lüge unentdeckt bleibt, verlässt Ina fortan nicht mehr ihr Zimmer, wird aber von einem Mitschüler, der ebenfalls in dieser Siedlung wohnt, am Fenster entdeckt. Auch er konnte nicht in die Ferien fahren, weil sein Vater pleite ist und außerdem Alkoholiker. Er lockt Ina aus ihrem Versteck und tut alles, damit ihr Traum sich erfüllt. Die beiden Kinder richten sich eine heruntergekommene Hausmeisterwohnung als Süden ein: mit Fototapete und Planschbecken. Kaurins Geschichte um Freundschaft, Liebe und Erwachsenwerden wird aus der Perspektive von Ina erzählt und bietet eine Identifikationsfläche für Kinder, die am Rande der Gesellschaft leben. Das Buch wurde 2020 von »Die Zeit« und Radio Bremen mit dem Luchs des Monats ausgezeichnet und 2021 in der Kategorie Kinderbuch für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert.
Die Autorin wohnt in Oslo.