23. ilb 06. – 16.09.2023

Kathrin Röggla

Kathrin Röggla wurde 1971 in Salzburg geboren. Seit 1988 tritt sie als Autorin in Erscheinung. Ihr Schwerpunkt liegt auf Prosa- und Theatertexten sowie Radioarbeiten.

Seit ihrem literarischen Debüt »Niemand lacht rückwärts« [1995] veröffentlichte sie mehrere genreübergreifend gestaltete Prosabände, die oftmals einen medien- und ideologiekritischen Blick auf die Gegenwart werfen. Beispielhaft hierfür ist »really ground zero« [2001]. »In ihrer eigenwilligen, in früheren Texten bereits erprobten Sprache, einer reflektierenden Mischung aus umgangssprachlichen, szenischen, wissenschaftlichen und literarischen Schreib- und Sprechweisen« [DLF], schildert Kathrin Röggla, die am 11. September 2001 in New York war, ihre eigene Wahrnehmung der Terroranschläge, fängt die Reaktionen der Amerikaner:innen ein und nimmt auch die mediale Berichterstattung in den Blick. Für den Roman »wir schlafen nicht« [2004] interviewte sie Unternehmensberater:innen und andere Akteur:innen aus der New Economy, um ihre Aussagen »zum eindrücklichen Klangteppich aus indirekter Rede, neuen Wortkombinationen und einem ständig von Selbstbetrug zu Hellsicht kippenden Bewusstseinszustand« [NZZ] zu verweben. Beide Werke wurden von der Autorin für die Bühne adaptiert.

Generell greift Kathrin Röggla auch in ihren Theaterstücken und Hörspielen aktuelle Themen und gesellschaftliche Debatten auf; so war der Ausgangspunkt zu »Der Lärmkrieg« [2013] eine Veranstaltung zum Thema Fluglärm, welche die Autorin in ihrer Zeit als Mainzer Stadtschreiberin besucht hatte. Dem Stück »Das Wasser«, 2022 im Staatsschauspiel Dresden uraufgeführt, liegen zahlreiche Gespräche mit Umwelt-NGOs und Aktivist:innen zugrunde. Zuletzt erschienen der poetologische Band »Ausreden« [2022] und der mit dem Wortmeldungen-Preis der Crespo Foundation ausgezeichnete Essay »Bauernkriegspanorama« [2020]. Er nimmt das 1987 fertiggestellte Panoramabild des DDR-Künstlers Werner Tübke zum Anlass, um darüber nachzudenken, wie ein entsprechendes Bild der Gegenwart aussehen könnte. »Der Text ist schon deswegen ein Wagnis, weil er versucht, die vielen widerstrebenden Entwicklungen als eine Gesamtheit abzubilden. Bei aller Düsternis verzichtet die Autorin nicht darauf, die Umrisse eines utopischen Horizonts einzuzeichnen«, so die Jury des Wortmeldungen-Preises.

Für ihr Schaffen wurde Kathrin Röggla vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Solothurner Literaturpreis, dem Arthur-Schnitzler-Preis, dem Österreichischen Kunstpreis für Literatur und zuletzt mit dem Else-Lasker-Schüler-Preis. Sie ist seit 2015 Mitglied der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung und wurde im selben Jahr Vizepräsidentin der Berliner Akademie der Künste. 2020 wurde sie als Professorin für Literarisches Schreiben an die Kunsthochschule für Medien Köln berufen. Die Autorin lebt in Köln.

Stand: 2022