23. ilb 06. - 16.09.2023

Karla Suárez

Karla Suárez wurde 1969 in Kuba geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Havanna, wo sie Informatik studierte. Ihre literarische Karriere begann mit Erzählungen, die in verschiedenen Anthologien und Zeitschriften abgedruckt wurden. Ihre Erzählung »Aniversario« (Ü: Jahrestag) wurde 1996 für das Theater adaptiert. Aus ihrem ersten Band mit Kurzgeschichten, »Espuma« (1999; Ü: Schaum), wurden zwei Erzählungen für das kubanische Fernsehen verfilmt. Zwei Jahre später folgte der zweite Band »Carroza para actores« (Ü: Paradewagen für Schauspieler).
Ihr Debütroman »Silencios« (1999) wurde ins Französische, Portugiesische, Italienische, Slowenische und unter dem Titel »Gesichter des Schweigens« (2001) ins Deutsche übersetzt. Er zeichnet zwanzig Jahre kubanische Geschichte nach, beginnend mit der Phase relativen Wohlstands in den achtziger Jahren bis hin zur »Spezialperiode« der Nachwendezeit. Er ist ein klassischer Entwicklungsroman, in dem die Ich-Erzählerin die Geschichte ihrer Kindheit und Jugend bis hin zum Erwachsenenalter erzählt. Schweigen ist die Antwort des Kindes auf die Hysterie einer kubanischen Großfamilie, in der jedes Familienmitglied ein Geheimnis mit sich herumträgt und in diesem Sinn ein Doppelleben führt. Das Kind beobachtet und deckt die Geschichten der Einzelnen auf. Am Ende ist aus dem neugierigen kleinen Mädchen eine desillusionierte junge Frau geworden, die Familie zerfällt, und die Protagonistin bleibt einsam zurück.
Suárez’ neuester Roman, »La viajera« (2005; Ü: Die Reisende), enthält ebenfalls zahlreiche autobiografische Elemente. Er erzählt die Geschichte von Circe, einer starken und faszinierenden Frau, die Ende der neunziger Jahre mit ihrer Freundin Lucía aus der Enge der kubanischen Gesellschaft flieht, um den richtigen Ort zum Leben für sich zu finden. Lucía heiratet bald darauf einen Italiener und zieht mit ihm nach Rom, während Circe weiter von Stadt zu Stadt reist. Sechs Jahre später folgt Circe ihr nach. Sie zieht mit ihrem in der Zwischenzeit geborenen Sohn bei Lucía und deren Mann ein – und die alte Freundschaft tritt in eine neue Phase. In diesem spritzigen, ironischen Werk, das in drei Sprachen übersetzt wurde, liegt ein besonderer Schwerpunkt auf der Musik, die für den Roman eine Art Tonspur ist, weshalb der spanischen Originalausgabe auch eine CD mit den wichtigsten Titeln beigefügt wurde. »Wichtig ist für mich, Figuren mit einem eigenen musikalischen Thema zu entwickeln, das ihnen Identität und eine eigene Charakteristik verleiht«, sagt die Autorin.
Sie erhielt mehrere Stipendien und wurde mit dem kubanischen Premio Razón de Ser, dem Preis des spanischen Verlagshauses Lengua de Trapo, dem italienischen Preis für internationale Kurzgeschichten »I colori delle Donne« ausgezeichnet und war Finalistin des Premio de América in Guadalupe. Nach fünf Jahren in Rom lebt sie seit 2003 in Paris, wo sie weiterhin als freie Informatikerin, Autorin und Dozentin für Kreatives Schreiben tätig ist.

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