22. ilb 07. - 17.09.2022

Meena Kandasamy

Die indische Schriftstellerin Meena Kandasamy wurde 1984 in Tamil Nadu geboren. Sie promovierte in Soziolinguistik an der Anna University, Chennai.
Ihre ersten Gedichte schrieb sie im Alter von 17 Jahren, ihr erster Gedichtband erschien 2006 unter dem Titel »Touch«. Schon hier setzte sie sich mit den Themen indisches Kastensystem und Feminismus auseinander, die für ihr weiteres Schaffen prägend wurden. Obwohl sie das Kind von Akademikern und selbst eine Akademikerin ist, misstraut sie einer hochintellektuellen Ausdrucksweise, die für sie dem Thema der Unterdrückung unangemessen ist und keinesfalls eine Sprache der Opfer sein kann: »Meine Poesie ist nackt, meine Poesie bricht in Tränen aus, meine Poesie schreit vor Wut, meine Poesie krümmt sich im Schmerz. Meine Poesie riecht nach Blut, meine Poesie verneigt sich vor Opfern. Meine Poesie spricht wie mein Volk, meine Poesie spricht für mein Volk.« Der Gedichtband wurde in mehrere Sprachen übersetzt, deutsche Übersetzungen ausgewählter Texte aus »Touch« und ihrem zweiten Gedichtband »Ms. Militancy« (2010) erschienen in der Sammlung »Fräulein Militanz« (2014). In ihrem auf Englisch verfassten Roman »The Gypsy Goddess« (2014; dt. »Reis & Asche«, 2016) erzählt Kandasamy vom Massaker im südindischen Kilvenmani 1968, bei dem 42 Landarbeiter der Dalit (Kaste der Unberührbaren) in einer Hütte verbrannten, nachdem sie sich gegen die schlechten Arbeitsbedingungen gewehrt, eine bessere Bezahlung gefordert und sich der kommunistischen Partei angeschlossen hatten. Ihr jüngstes Buch »When I Hit You: Or, A Portrait of the Writer as a Young Wife« (2017: Ü: Wenn mein Schlag dich trifft, oder: Porträt der Schriftstellerin als junge Ehefrau) befasst sich mit der Rolle der Frau in der modernen indischen Gesellschaft. Der Roman erzählt die Geschichte einer frisch verheirateten Schriftstellerin, die im Zusammenleben mit ihrem Mann zunehmend soziale Isolation und extreme Gewalt erfährt. Zitate von Anne Sexton, Elfriede Jelinek und Kamala Das, die als Motti den einzelnen Kapiteln zugeordnet sind, stellen den Roman, der gleichzeitig eine Reflexion über die Möglichkeit des Schreibens zur Überwindung vom Trauma der Gewalt ist, in die Traditionslinie feministischer Literatur. Ihr Roman »Exquisite Cadavers« erscheint im November 2019.
Aus dem Tamil übersetzt Kandasamy verschiedene Autoren ins Englische. Sie gibt die englischsprachige Zeitschrift »The Dalit« heraus und schreibt zudem Kolumnen für die Internetplattformen »Outlook India«, »The Hindu« u. a. Ihre Texte erschienen auch in verschiedenen Anthologien. Außerdem wirkte sie als Schauspielerin am ersten, durch Crowdfunding finanzierten unabhängigen Film »Oraalppokkam« auf Malayalam mit. Sie erhielt zahlreiche Auszeichnungen, u. a. war sie 2009 Teilnehmerin des International Writing Program der University of Iowa. Die Autorin lebt in London und Vellore, Südindien.

Unter folgendem Link können Sie sich die Veranstaltung mit Meena Kandasamy auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/tzaQ61Qx0lc