23. ilb 06. – 16.09.2023

Jutta Treiber

Jutta Treiber wurde 1949 im österreichischen Oberpullendorf nahe der ungarischen Grenze geboren. Nach dem Germanistik- und Anglistikstudium an der Universität Wien arbeitete sie als Lehrerin am Gymnasium ihrer Heimatstadt. Mehr als zwanzig Jahre betrieb sie dort das familieneigene Kino. Erste Schreiberfahrungen machte sie mit acht Jahren, als sie nach der Geburt ihres behinderten Bruders die therapeutische Kraft der Kunst entdeckte. Schon damals machte sie das Kino, das ihr Großvater gegründet hatte, sie mit Phantasie und Fiktion vertraut. Über die Faszination des Schreibens sagt sie: „Einerseits ist es die Bewältigung eigener Erlebnisse und Erfahrungen, andererseits eine Besessenheit: Ich muss schreiben, kann ohne Schreiben nicht leben.“ 1979 debütierte die Burgenländerin mit dem Kurzgeschichtenband “Ich will eine Geschichte schreiben” und lebt seit 1988, seit der Veröffentlichung des Jugendromans “Popcorn zum Frühstück”, als freie Schriftstellerin. Ihr Werk umfasst Bilder- und Kinderbücher, Lyrik, Kurzprosa, Romane für Jugendliche und Erwachsene, Kabarettprogramme, Hörspiele und Kurzfilme.

Mit großer Einfühlsamkeit und viel Humor zeigt Jutta Treiber Kinder und Jugendliche, die vor großen Entscheidungen oder Veränderungen stehen. Ohne Weichzeichner thematisiert sie auch Tabus und emotionale Verwüstungen, die oft totgeschwiegen werden und an denen junge Persönlichkeiten zu zerbrechen drohen. Die Autorin schenkt ihren Lesern Identifikationsmöglichkeiten für das Unausgesprochene. Dabei zeigt sie auch, dass man nicht allein ist im Bemühen, nach Verlust, Verletzung oder Angst seine Ganzheit und Würde zurückzuerlangen. Am Ende ihrer Geschichten steht immer das ‚weiterleben, trotz allem’ und die Kraft der Hoffnung.

So schildert sie in ihrer Buchreihe über die ‚Dazwischenkinder’ (u. a. „Dazwischenkinder sind wir alle“, 1999) die oft ignorierten Schwierigkeiten mittlerer Geschwister. Ihr Jugendroman „Julia spielt Julia“ zeigt aus dem Blickwinkel einer jungen Frau, die Theaterstar werden möchte, die Träume, Ängste und Leidenschaften von Jugendlichen. Ebenso facettenreich ist Treibers psychologische Darstellung der siebzehnjährigen Franka, die Opfer einer Vergewaltigung wird und an den Folgen fast zerbricht („Vergewaltigt“, 2003). Der Autorin gelingt der sensible Blick in die komplexe Welt einer trauernden Kinderseele genauso wie die humorvolle Beschreibung der ersten Liebe, des Alltagskriegs zwischen Eltern oder eines grantigen Vaters, der von seiner Familie überredet wird, sich einen Lachschrittmacher einpflanzen zu lassen („Lachschrittmacher“, 2001). Zuletzt erschienen das Bilderbuch „Der Großvater im rostroten Ohrensessel“ (2006) und das Kinderbuch „Max und Marzipan“ (2007).

Jutta Treiber hat mehr als 2000 Lesungen in siebzehn Ländern Europas und Asiens gehalten. Für ihr Werk erhielt sie u. a. den Kinder- und Jugendbuchpreis der Stadt Wien, den Österreichischer Staatspreis für Kinder- und Jugendliteratur (1996 und 2007) sowie den Leserstimmenpreis der Bibliotheken. Jutta Treiber lebt in Oberpullendorf – über dem Kino.

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