23. ilb 06. – 16.09.2023

Julio Llamazares

Julio Llamazares wurde 1955 in Vegamián, einem inzwischen von einem Stausee überfluteten Dorf der Provinz Leóns, geboren. Mit 12 Jahren verließ er die Bergregion, besuchte ein Internat in Madrid und studierte anschließend Jura. Heute arbeitet Llamazares als Schriftsteller, Journalist und Drehbuchautor. Nach zwei Gedichtbänden, die unter den Titeln „La lentitud de los bueyes“ (1979) und „Memoria de la nieve“ (1982) veröffentlicht wurden, erschien 1985 sein erfolgreiches Debüt als Romanautor: „Luna de lobos“ („Wolfsmond“, 1991). Der literarische Durchbruch gelang Llamazares mit dem 1988 erschienenen Roman „La lluvia amarilla“ („Der gelbe Regen“ 1991). Darin wird die Geschichte des Greises Andrés erzählt, der als letzter Bewohner in einem aufgegebenen Dorf in den Pyrenäen ausharrt. Andrés blickt auf das einst lebendige Dorf- und Familienleben zurück und sinniert über das Vergessen, den Tod und die Einsamkeit. Mit der Geschichte des sterbenden Dorfes hat Llamazares eine typische Entwicklung der spanischen Gesellschaft in einer bestechend direkten Sprache nachgezeichnet. Hunderte von Dörfern sind in den letzten Jahrzehnten verschwunden, weil ihre Bewohner in die Städte abwanderten. In den ersten drei Jahren nach Erscheinen erlebte „Der gelbe Regen“ bereits 15 Auflagen. In seinem 1994 erschienenen Roman „Escenas de cine mudo“ (deutsch: „Stummfilmszenen“ 1998), kehrt der Erzähler nach Olleros, dem Ort seiner Kindheit, zurück: Nach dem Tod seiner Mutter findet er dort ein Album mit alten Schwarzweißaufnahmen. Mit Hilfe der vergilbten Fotos versetzt er sich in seine Vergangenheit zurück und beschreibt in lose aneinandergereihten Szenen seine Erlebnisse aus der Sicht eines Kindes und gewährt dadurch einen Einblick in die Sozialgeschichte der Region. In der spanischen Gegenwartsliteratur nimmt Llamazares eine Sonderstellung ein. Er gehört zu den wenigen Autoren, die sich mit dem ländlichen Spanien, den abgelegenen Regionen und den zum Untergang verdammten Bergdörfern beschäftigen. Mit seinen unaufdringlich und überzeugend erzählten Alltagsgeschichten hat er großen Anteil daran, dass die Existenz dieser Welt im allgemeinen Modernisierungstaumel nicht vergessen wird. Llamazares hat auch Erzählungen, wie z. B. „En mitad de ninguna parte“ (1995), Chroniken wie „El Entierro de Genarín“ (1981) publiziert und gab eine Anthologie über Madrid heraus: „Los viajeros de Madrid“(1998). Seine journalistischen Arbeiten sind in „En Babia“ (1991) oder „Nadie escucha“ gesammelt. Seine Reiseliteratur über vergessene Landstriche sind unter dem Titel „El río del olvido“ (1990) und „Tras-os-Montes“ (1998) publiziert. Desgleichen schrieb er Drehbücher und große Reportagen – u.a. über Berlin. Zuletzt wurde sein Roman „El cielo de Madrid“ (2005) veröffentlicht. Der Autor lebt in Madrid und León.

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