23. ilb 06. – 16.09.2023

Julia Weber

Julia Weber wurde 1983 in Moshi, Tansania, geboren und wuchs in Zürich auf. Nach einer Lehre zur Fotofachangestellten studierte sie Literarisches Schreiben am Schweizerischen Literaturinstitut in Biel. 2012 gründete sie den Literaturdienst: ein Angebot der Autorin, mit ihrer Schreibmaschine zu festlichen Anlässen zu erscheinen und dort Texte wie Gästeporträts oder eine Dokumentation der Feier zu verfassen. 2015 rief sie zusammen mit der Schweizer Schriftstellerin Gianna Molinari die Aktionsgruppe »Literatur für das, was passiert« ins Leben, die nach demselben Prinzip wie der Literaturdienst verfährt, wobei die beteiligten Schriftsteller:innen ihre Einnahmen für Menschen auf der Flucht spenden. Sie ist außerdem Mitbegründerin des feministischen Autorinnenkollektivs RAUF, das es sich seit 2019 zum Ziel setzt, die Sichtbarkeit und Stellung von Frauen im Literaturbetrieb zu verbessern.

2017 legte Julia Weber mit »Immer ist alles schön« ihr literarisches Debüt vor. Im Mittelpunkt des Romans stehen zwei Geschwister, Anais und Bruno, deren alleinerziehende, alkoholkranke Mutter in einem Nachtclub als Tänzerin arbeitet. Abwechselnd aus der Perspektive der Mutter und der Tochter erzählt, bekommen die Leser:innen ebenso ein Bild davon, warum die Mutter zur Fürsorge nicht fähig ist, wie von der Gegenwelt, welche die Kinder sich mittels ihrer Fantasie erschaffen. »Geplatzte Träume, gescheiterte Hoffnungen – davon spricht dieses Buch, dessen Kosmos klein ist und doch eine Welt umfasst: eine Kindheit, die unauslöschliche Spuren zieht. Von ihr erzählt der Text so leise und gefasst, dass der Atem ins
Stocken gerät«, befand die »NZZ«. Der Roman wurde u. a. mit dem internationalen Franz-Tumler-Literaturpreis sowie der Alfred Döblin Medaille der Universität Mainz ausgezeichnet und stand auf der Shortlist des Schweizer Buchpreises.

2022 erschien Julia Webers zweiter Roman »Die Vermengung«, dessen Ausgangspunkt ein sehr persönlicher ist: Während der Arbeit an ihrem zweiten Buch wurde die Autorin mit ihrem zweiten Kind schwanger. In der Sorge, das Familienleben könnte den Raum für ihr Schreiben zu klein werden lassen, ist Julia Weber ins Gespräch mit ihren Figuren getreten. Die titelgebende Vermengung von Alltag und Kunst findet dabei auch auf der literarischen Ebene statt, es vermischen sich Kindheitserinnerungen, Gesprächsprotokolle, Briefe und essayistische Passagen. »Julia Weber erzählt einfühlsam, in simplen Sätzen, aber dennoch mit wuchtigen, und manchmal verblüffenden Bildern. ›Die Vermengung‹ ist ein persönliches und berührendes Buch voller Poesie und Feinsinn, in das man sich gern verstricken lässt«, urteilte der SRF.

Die Autorin lebt in Zürich.

Stand: 2022