22. ilb 07. - 17.09.2022

Juan Manuel Roca

Juan Manuel Roca wurde 1946 in Medellín, Kolumbien, geboren. Der vielfach ausgezeichnete Schriftsteller, Journalist und Kunstkritiker war zehn Jahre lang für die Sonntagsbeilage der Tageszeitung »El Espectador« verantwortlich und ist Herausgeber der Kulturzeitschrift »La sangrada escritura«.

Roca wird der sogenannten »generación del desarraigo« (entwurzelte Generation) zugerechnet. Seine Lyrik nimmt die konkrete Realität und Erfahrung zum Ausgangspunkt. Plastische, sinnliche Elemente sowie starke, lebendige Farben werden den düsteren, schattenhaften Beschreibungen der Erinnerung und der verlorenen Illusionen gegenübergestellt. Die Gedichte sind fein gezeichnete Bilder von semantischer und struktureller Klarheit und wurden von Roca wiederholt in Zusammenarbeit mit bildenden Künstlern veröffentlicht. Seine ersten Lyrikbände erschienen Anfang der siebziger Jahre, darunter »Memoria del agua« (1973; Ü: Erinnerung an das Wasser) und »Luna de ciegos« (1975; Ü: Mond der Blinden). Es folgten Sammlungen wie »Antología poética« (1983; Ü: Lyrikanthologie), »País secreto« (1987; Ü: Geheimes Land), »Pavana con el diablo« (1990; Ü: Pavana mit dem Teufel), und »Prosa reunida« (1993; Ü: Gesammelte Prosa). Sein neuster Gedichtband »Las hipótesis de Nadie« (Ü: Niemandes Hypothesen) erschien 2004.

Der Titel seines bislang einzigen Romans, »Esa maldita costumbre de morir« (2003; Ü: Diese verdammte Gewohnheit zu sterben), spielt auf den häufig auf verbrecherische Weise herbeigeführten Tod vieler Menschen in einem von Gewalt geprägten Land an. Die Geschichte erzählt von zwei Brüdern, die Mitglieder der geheimen »Spiegelbrigade« sind und im Untergrund gegen eine Verschwörerbande kämpfen, die sämtliche Spiegelkristalle vernichten will, um die Identität des Menschen zu zerstören. Stilistisch verweist der Roman auf den Lyriker Roca: Viele Dinge werden nur angedeutet, und das Unausgesprochene zählt mehr als das explizit Gesagte. »Ich wollte meine Vorliebe für die Schaffung von Bildern nicht aufgeben, ebenso wenig wie den lyrischen Tonfall. Außerdem habe ich mir die sprachliche Strenge bewahrt«, sagt der Autor.

2007 veröffentlichte Roca seinen ersten Band mit Kurzgeschichten, »Las plagas secretas« (Ü: Die geheimen Plagen), und sein Roman wurde für den renommierten Premio Rómulo Gallego nominiert. Für seine Lyrik erhielt Roca u.a. den Premio Nacional de Poesía Universidad de Antioquia, den Premio Nacional de Poesía Ministerio de Cultura, den Premio de Poesía del Mundo Latino »Victor Sandoval« und zuletzt den internationalen Premio de Poesía »José Lezama Lima« der kubanischen Casa de las Américas. Für seine journalistische Arbeit wurde Roca mit dem Premio de Periodismo »Simón Bolívar« ausgezeichnet. Er ist Ehrendoktor der Universidad del Valle und lebt in Medellín.

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