23. ilb 06. – 16.09.2023

José Emilio Pacheco

José Emilio Pacheco wurde 1939 in Mexiko-Stadt geboren. Während seiner Schul- und Studienzeit begann er zu schreiben und in Zeitschriften und Zeitungen zu veröffentlichen.

Sein Vater, Anwalt und Notar, riet dem schüchternen Jugendlichen zum Jurastudium, um eines Tages sein Notariat Nr. 50 zu übernehmen und nicht als Schriftsteller am Hungertuch nagen zu müssen. Doch schon bald, verstört von der Aussicht, als juristischer Handlanger im „Krieg gegen die Armen“ auf die falsche Seite der Gesellschaft zu gelangen, wechselte José Emilio Pacheco zur Philologie über. Neben dem Studium begann er bereits mit 19 Jahren, seine unermüdliche Mitarbeit als Kritiker, Redakteur, Kolumnist und Herausgeber von mexikanischen Kultur- und Literaturzeitschriften, darunter „Estaciones“, „Diálogos“,“Plural“ und „Vuelta“ sowie Kultur- und Literaturbeilagen der Zeitungen „Proceso“, „Siempre“, „El Heraldo de México“ und „Excelsior“. Er unterrichtete später Literaturwissenschaften und Poetik an verschiedenen Universitaten in Kanada, England und USA. Heute lebt er wieder in Mexiko-Stadt und lehrt über den Jahreswechsel einige Monate an der University of Maryland.

Die biographischen Zusammenhänge sind rasch aufgezählt, aber für den Autor und seine Leserschaft von nachrangigem Interesse, da sie „eine Mischung aus Zufall und Schicksal“ (Roberto Juarroz) im rasanten und rasenden Gefälle der Zeit darstellen. Darunter verbirgt sich der schöpferische Ausdruck im halboffenen Raum der Poesie. Und diese Intensität des Lebens intensiviert sich durch die Intensität des Lesens – oder umgekehrt. Auch hierin gibt es eine gewisse Ähnlichkeit mit dem argentinischen Dichter Roberto Juarroz (1925-1995), wozu die Präzision der poetischen Sprache und die poetologische Passion, aber auch die Nichtzugehörigkeit zu einer Gruppe oder Bewegung und die Abwesenheit vom Literaturbetrieb zählen. Von Anfang an verzweigen sich Pachecos schriftstellerische Obsessionen in vier Bereiche: Poesie – Essayistik – Übersetzung – Prosa. Der erste ist gleichzeitig der zentrale Bezirk: das Gedicht.

Was der mexikanische Dichter Efraín Huerta (1914-1982) über sein Lyrikdebut „Los elementos de la noche“ („Die Elemente der Nacht“), im Januar 1963 in Mexiko erschienen, geschrieben hat, bleibt noch heute gültig, nachdem inzwischen zehn weitere Lyrikbände vorliegen: „Die Gedichte von José Emilio Pacheco weisen formale Perfektion und inneres, gefühlsmäiges Beteiligtsein auf. Es gibt in dieser Poesie eine Sehnsucht, ein Glühen, die Suche nach Farbe, nach Geheimnissen, die Verfolgung des richtigen Wortes. Des richtigen Tons. (Wer ist schon fähig, seine wahre Stimme gefunden zu haben?)“

José Emilio Pacheco erhielt den Essaypreis Malcolm Lowry (1992), den Literaturpreis Mexikos (1993), den lateinamerikanischen Lyrikpreis José Asunción Silva (1994), den Premio Mazatlán (1999) und den Premio José Fuentes Mares (2000). José Emilio Pacheco gehört zu den bedeutendsten lateinamerikanischen Lyrikern der Gegenwart. Sein poetisches Oeuvre wird auch hierzulande allmählich entdeckt und geschätzt.

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