23. ilb 06. – 16.09.2023

Jonathan Stroud

Jonathan Stroud wurde 1970 in Bedford, Großbritannien, geboren. Nach seinem Studium der Englischen Literatur an der University of York war er in verschiedenen Verlagen als Lektor für Kindersachbücher tätig und verfasste nebenbei erste eigene Kinderbücher. Nach seinem Debüt 1999 mit dem Fantasy-Märchen »Buried Fire« (T: Begrabenes Feuer) machte er das Schreiben 2001 zu seinem Beruf. 2003 erschien »The Amulet of Samarkand« (dt. »Das Amulett von Samarkand«, 2004), der erste Band der Bartimäus-Triologie. Der über 500 Seiten starke Fantasy-Roman, in über 25 Sprachen übersetzt, wurde ein weltweiter Publikumserfolg und hielt sich wochenlang auf den Spitzenplätzen der Jugendbuch-Bestsellerlisten.

Mit Witz, Ironie und Tempo erzählt Stroud die furiose Geschichte um den Zauberlehrling Nathanael und seinen dämonischen Gefährten, den exzentrischen aber liebenswerten Dschinn Bartimäus, die als Team wider Willen in einen Strudel von Intrigen geraten. Er schickt seine beiden Helden in eine Welt, in der Magier das Parlament beherrschen und Auftragskiller vielarmige Monster sind. »Die Handlung ist mitreißend wie ein Film, aber was das Buch bemerkenswert macht, ist die subtile Darstellung des New Labour Spins. Seit »Gullivers Reisen« hat es kein Kinderbuchautor vermocht, eine packende und fantastische Abenteuergeschichte mit solch vorzüglich pointiertem Humor zu verknüpfen.« („The Times«)

Stroud besticht als herausragender Erzähler. Er schreibt vielschichtig und fesselnd. Über ihre Sprache verleiht er seinen tragenden Figuren ihre unverwechselbaren Charaktere: Bartimäus ist sarkastisch und rücksichtslos, Nathanael unsicher, ehrgeizig, aber auch machtversessen. Eitel und arrogant sind sie beide. Ihren poetischen Reiz erhält die Geschichte durch die Asymmetrie der Erzählperspektiven: Der 5.000 Jahre alte Dschinn tritt dem Leser als Ich-Erzähler gegenüber, die anderen Passagen werden aus der personalen Perspektive Nathanaels geschildert. Brillant untermauert der Autor die Erzählung mit Fußnoten, die Bartimäus vor allem dazu nutzt, seine Beteiligung an diversen welthistorischen Ereignissen kundzutun und die Welt der Zauberer süffisant-ironisch zu kommentieren.

Stroud gelingt es, alt vertraute Fantasy-Muster neu zu arrangieren, so dass die Geschichte erfrischend anders gerät als der ewig heroische Kampf des Guten gegen das Böse. »Mir ging es um Leichtigkeit. Viele Fantasy-Bücher tendieren dazu, sehr schwerfällig zu sein, weil es um die bedeutenden Kämpfe zwischen Gut und Böse geht […]. Bartimäus war mein Vehikel, dieser Falle zu entgehen. Darüber hinaus sind er und Nathanael moralisch ambivalente Figuren: Sie sind keine tugendhaften Helden und keine Bösewichte.«

2005 erschien der zweite Band der Trilogie, »The Golem’s Eye« (2004; dt. »Das Auge des Golem«) in deutscher Übersetzung. Der abschließende Band »Ptolemy’s Gate« (2006) erschien im selben Jahr auf Deutsch unter dem Titel »Die Pforte des Magiers«. Jonathan Stroud erhielt für »The Amulet of Samarkand« zahlreiche Auszeichnungen, darunter den Boston Globe/Horn Book Honor (2004) und den Lancashire Children’s Book Award (2005). Darüber hinaus wurde der Roman für den Deutschen Jugendliteraturpreis 2005 nominiert. Die Filmrechte wurden bereits vor Erscheinen des ersten Bandes verkauft. Der letzte Band der Bartimäus-Trilogie wurde mit dem internationalen Buchpreis CORINE 2006 in der Kategorie Jugendbuch ausgezeichnet. Zudem erhielt Stroud für das dreiteilige Fantasy-Werk den Grand Prix de l’imaginaire, einen wichtigen französischen Preis für Fantasy und Science Fiction, sowie den Mythopoeic Fantasy Award für Kinder- und Jugendliteratur. Stroud lebt in St. Albans.

© internationales literaturfestival berlin