Jonathan Lethem

Portrait Jonathan Lethem
© Hartwig Klappert

Jonathan Lethem wurde 1964 in New York, USA, geboren. Die frühen Jahre seiner Kindheit verbrachte er in Kansas City. Anfang der siebziger Jahre zog sein Vater, der Avantgarde-Maler Richard Brown Lethem, mit der Familie in den zu jener Zeit noch völlig heruntergekommenen New Yorker Stadtteil Brooklyn mit überwiegend schwarzer und puertoricanischer Bevölkerung. Die Erfahrung, als Jugendlicher auf den Straßen Brooklyns zur weißen Minderheit zu gehören, prägte ihn nachhaltig. Nach der Schule begann er am Bennington College in Vermont ein Studium der Freien Kunst, das er jedoch schon bald zugunsten des Schreibens aufgab. 1984 zog er nach Berkeley an die Westküste. Mehrere Jahre lebte er in San Francisco, wo er in verschiedenen Antiquariaten arbeitete und Kurzgeschichten sowie erste Romane verfasste. Er veröffentlichte zahlreiche Kurzgeschichten, unter anderem in „The Paris Review“ und „Esquire“. 1994 erschien sein erster Roman „Gun, With Occasional Music“ (dt. „Der kurze Schlaf“, 2003), ein phantastisches Genre-Crossover mit futuristisch-surrealem Schauplatz in der Tradition von Raymond Chandlers „Hard-boiled“-Detektivgeschichten. Es folgten der post-apokalyptische Roman „Amnesia Moon“ (1995; Ü: Amnesie Mond), „As She Climbed Across the Table“ (1997; dt. „Als sie über den Tisch kletterte“, 2002), eine groteske Liebesgeschichte zwischen einer Wissenschaftlerin und einem aus einem Experiment entstandenen Vakuum, sowie „Girl in Landscape“ (1998; Ü: Mädchen in der Landschaft), ein Western, der auf dem Mars spielt. 1996 entschloss sich Jonathan Lethem zur Rückkehr nach Brooklyn. Dort schrieb er seinen Roman „Motherless Brooklyn“ (1999; dt. „Motherless Brooklyn“, 2001), für den er unter anderem mit dem National Book Critics Circle Award ausgezeichnet wurde. Protagonist dieser ungewöhnlichen Kriminalgeschichte ist Lionel Essrog, der am Tourette-Syndrom leidet. Sein unkontrollierbarer Zwang zu Wiederholungen, obszönen Wortspielen, unvermittelten Berührungen und sonstige Tics machen ihn zum Außenseiter. Als sein Freund und Vorbild Frank Minna, ein Brooklyner Krimineller mit Verbindungen zur Mafia und Zen-Mönchen, erstochen wird, versucht er, den Mord aufzuklären. Auch „The Fortress of Solitude“ (2003; „Die Festung der Einsamkeit“, 2004), eine Geschichte über das Erwachsenwerden mit autobiographischen Zügen, spielt in Brooklyn. Dylan Ebdus hat es als einziger weißer Junge in der Nachbarschaft nicht leicht. Sein schwarzer Freund Mingus Rude zeigt ihm, worauf es in dieser Welt ankommt: Comic-Superhelden, Hip-Hop, Graffities und Drogen. „The Fortress of Solitude“ wurde von der New York Times zum „Besten Buch des Jahres 2003“ gekürt. Jonathan Lethem lebt in Brooklyn.

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