Joe Sacco

Portrait Joe Sacco
© Daniel Mordzinski

Joe Sacco wurde 1960 im maltesischen Kirkop geboren und zog mit 9 Jahren mit seinen Eltern zunächst nach Australien und drei Jahre später nach Los Angeles und Portland. Sacco erlangte 1981 einen Bachelor in Journalistik an der University of Oregon. Frustriert vom Alltag der journalistischen Arbeit, definierte er sich fortan als zeichnender Journalist. Sacco besuchte eine Vielzahl von Krisen- und Kriegsgebieten überall auf der Welt und verarbeitete seine Recherchen zu Reportage-Comics. »Wenn heute Graphic Novels zu zeitgeschichtlich brisanten Themen boomen und niemand mehr dem Comic die Fähigkeit abspricht, auch komplexe zeitgeschichtliche Themen adäquat zu verarbeiten, liegt das nicht zuletzt auch an ihm.« (»NZZ«)

Nachdem er 1991 Israel sowie Flüchtlingslager im Gazastreifen besucht hatte, publizierte er ab 1993 über zwei Jahre eine Reihe von Comics über die Problematik der Palästinenser. Zu zwei Bänden zusammengefasst, wurde »Palestine« (2001; dt. »Palästina«, 2008) 1996 mit dem American Book Award ausgezeichnet. Zu dessen Fortsetzung »Footnotes in Gaza« (2009; dt. »Gaza«, 2011), einer Mischung aus Oral History und Comic Reportage, wurde Sacco durch ein Dokument aus einem UNO-Archiv angeregt: Das Massaker der israelischen Armee gegen Palästinenser im Gazastreifen während der Suezkrise 1956 tauchte historisch nur als »Fußnote« auf, traumatisierte jedoch die Betroffenen und befeuerte den Nahostkonflikt. Für sein in Erlangen als »Bester internationaler Comic« 2012 ausgezeichnetes Werk interviewte Sacco überlebende Zeugen und setzte deren Aussagen in ein vielstimmiges und eindrückliches Gedächtnisbuch um.

Nach Aufenthalten in der bosnischen Enklave Goražde Ende 1995, Anfang 1996 schilderte Sacco den Balkankonflikt in »Safe Area Goražde« (2000; dt. »Bosnien«, 2010) anhand der Situation der dortigen Einwohner, die nach dem Krieg in zerstörten Häusern und abgeschnitten von Bosnien und Herzegowina leben und versuchen, die Erschütterung einer multiethischen Gemeinschaft zu überwinden. Das Buch wurde mit dem Eisner Award 2001 ausgezeichnet. In »The Fixer« (2003) und »War’s End« (2005; dt. »Sarajevo«, 2015) zeichnet Sacco in drei Reportage-Comics ein vielschichtiges Bild von Sarajevo am Ende des Bosnienkrieges. Nach »More Women, More Children, More Quickly« (2003) über den Alltag seiner Mutter in Malta zur Zeit des Zweiten Weltkriegs, schuf er zum 100. Jahrestag des Beginns des Ersten Weltkriegs einen sieben Meter langes Panoramabild »The Great War: July 1, 1916: The First Day of the Battle of the Somme« (2014; dt. »Die Schlacht an der Somme«, 2014), eine chronologische Schilderung des titelgebenden Tages in einer Schlacht, die als verlustreichste des Ersten Weltkriegs gilt. In seinem jüngsten Werk »Paying the Land« (2020; dt. »Wir gehören dem Land«, 2020) thematisiert Sacco die Angriffe auf die indigene Kultur Nordamerikas, die zuletzt im dortigen Bergbauboom und der Zerstörung der Natur ihren Ausdruck fand.

Sacco lebt heute in Portland, Oregon.

Unter folgendem Link können Sie sich die Veranstaltung mit Joe Sacco auf dem 20. ilb auf unserem YouTube-Kanal ansehen: https://youtu.be/e_DmTP3VIL0