23. ilb 06. – 16.09.2023

Jenny Robson

Jenny Robson wurde in Kapstadt geboren und wuchs dort zur Zeit der Apartheid auf. Nach dem Studium der Grundschulpädagogik in Mowbray und der Philosophie an der University of South Africa in Kapstadt war sie als Lehrerin im südafrikanischen Simonstown tätig, bevor sie als Musikpädagogin nach Botswana ging.

Erst im Alter von 38 Jahren, nach einer erschütternden Lebenskrise, begann sie zu schreiben und hat seither mehr als dreißig Kinder- und Jugendbücher, Geschichten für Kinder mit Englisch als Zweitsprache, einen Roman für Erwachsene sowie eine Vielzahl von Kurzgeschichten veröffentlicht. Über ihre schriftstellerische Arbeit sagt Jenny Robson: »Meine Romane spielen in Afrika. Die Charaktere und Begebenheiten sind zutiefst afrikanisch. Afrika ist mein Zuhause und meine Heimat, und ich glaube, diesem Land gehört all meine Loyalität.« Als Kind einer konservativ-protestantischen weißen Familie, in der die Vielfalt der Religionen und Andersgläubigkeit nicht geduldet wurden, sind ihr Toleranz, gegenseitiger Respekt und friedvolles Zusammenleben sehr wichtig geworden. In ihren Texten zeigt sie südafrikanische Teenager mit ihren Träumen, Ängsten, Hoffnungen und Problemen, wie sie junge Menschen auch außerhalb des afrikanischen Kontinents erleben. Zugleich berührt sie Themen, die unmissverständlich »afrikanisch« sind: Sie berichtet von Straßengangs im Township und erzählt von Ausgrenzung und Rassismus. In ihrem Jugendroman »Because Pula Means Rain« (2000; Ü: Weil Pula Regen bedeutet) muss sich Emmanuel mit der Diskriminierung durch seine Umgebung auseinandersetzen, die ihn ausschließt, und zwar aus Angst, zu werden wie er, ein »weißer Schwarzer«, ein Albino. Eindringlich, spannend und in schlichter Eleganz erzählt Robson in ihrem Roman »Praise Song« (2007; dt. »All for Love«, 2007) von der jungen Gaone, die der stets präsenten Bedrohung durch Aids trotzen muss. Als am Welt-Aids-Tag ihre Lehrerin tot aufgefunden wird und ihre jüngere Schwester sich mit dem »Don Juan« des Ortes einzulassen droht, ergreift Gaone die Initiative. »Balaclava Boy« (2009), dessen deutsche Übersetzung »Tommys Mütze« (2012) für den Jugendliteraturpreis 2013 nominiert war, ist wiederum ein Plädoyer für Vielfalt und Akzeptanz: Dumisani und Doogal sind nie um einen Spruch verlegen, aber als Tommy neu in ihre Klasse kommt, verschlägt es selbst ihnen die Sprache. Tommy trägt eine Wollmütze, die ihm über das ganze Gesicht reicht und die er nicht einmal beim Sport abnimmt. Doogal und Dumisani lassen nun nichts unversucht, um hinter sein Geheimnis zu kommen.

Für ihre zahlreichen Kinder- und Jugendbücher erhielt Jenny Robson viele wichtige Auszeichnungen, u. a. den UNESCO-Preis für Kinder- und Jugendliteratur im Dienst der Toleranz. Als erster Autorin wurde ihr viermal in Folge der Sanlam Youth Literature Award (1994 ff.) zugesprochen. Ein weiteres Mal erhielt sie ihn 2005 für »Praise Song«. Jenny Robson lebt in Maun in Botswana.

© internationales literaturfestival berlin