Thayil Jeet ©AliasgarDhariwalaforISSAIRECORDS

Jeet Thayil

Indien
Beim ILB zu Gast: 2013, 2026

Curator in Residence 2026

Jeet Thayil, 1959 nahe des Muvattupuzha-Flusses in Kerala, Indien, geboren, ist preisgekrönter Lyriker, Romanautor und Librettist sowie Musiker und literarischer Herausgeber.

Thayil besuchte Schulen in Hongkong, New York und Mumbai und schloss seinen Master of Fine Arts am Sarah Lawrence College im US-Bundesstaat New York ab. Anschließend arbeitete er zwei Jahrzehnte lang als Journalist in Mumbai, Bengaluru, Hongkong und New York, bevor er den Journalismus 2004 aufgab und begann, Prosa zu schreiben.

Thayil fing bereits als Jugendlicher an zu dichten und veröffentlichte sieben Gedichtbände: »Gemini« [1992], »Apocalypso« [1997], »English« [2004], »These Errors Are Correct« [2008], für den er den Sahitya Akademi Award for English erhielt, »New and Collected Poems« [2015] sowie »I’ll Have it Here« [2024], ausgezeichnet mit dem Sarojini Naidu Award und dem Kalinga Literary Award. Sein jüngster Gedichtband »The City Under the City« [2025] ist in Zusammenarbeit mit John Kinsella entstanden. Seine Lyrik und Prosa verweben häufig autobiografische Elemente mit klassischen Motiven. So verarbeitet er im Erzählzyklus »English« [2004] seine unmittelbaren Erfahrungen während der Anschläge vom 11. September. In »These Errors Are Correct« [2008] nutzt er strenge Versformen – gereimte Silbenverse, die Kanzone, Terzinen, Sonette, Sestinen und Ghazale –, um die formlosen Phasen der Trauer zu beschreiben.

In seinem Debütroman »Narcopolis« [2012] greift Thayil auf seine eigenen Erfahrungen mit Drogen- und Alkoholsucht zurück. Das Buch bildet den ersten Teil seiner »Bombay Trilogy« (mit »The Book of Chocolate Saints« [2017] und »Low« [2020]). Der Roman gewann den DSC Prize for South Asian Literature und stand auf der Shortlist des Man Booker Prize. Er ist eine Hommage an die Stadt Mumbai und die Bewohner ihrer Opiumhöhlen in den siebziger, achtziger und neunziger Jahren. Thayil stellte »Narcopolis« 2013 als Gast des ilb vor. Sein Schreiben – insbesondere diese Trilogie – untersucht Sucht, Sexualität, Erinnerung, Glauben und Marginalität als integrale Bestandteile des urbanen Lebens, nicht als Tabus. In Fortführung dieser Beschäftigung mit den ›anderen‹ Seiten populärer Erzählungen widmet sich sein Roman »Names of the Women« [2021] den Geschichten von fünfzehn weiblichen Figuren aus dem Neuen Testament.

Sein jüngstes Buch, »The Elsewhereans: A Documentary Novel«, erschien im Sommer 2025 und wird bereits als Meisterwerk gefeiert. Der Roman überschreitet Genres und Grenzen, um die Geschichte seiner erweiterten Familie und deren komplexe Beziehung zu Geografie, Migration und Heimat zu erzählen.

Neben seiner literarischen Arbeit ist Thayil auch Musiker: Er bildet gemeinsam mit Suman Sridhar das avantgardistische Musikduo Sridhar/Thayil, ist Mitglied des Electronica- und Spoken-Word-Trios HMT, der in Berlin und Delhi ansässigen Proto-Noise-Band Still Dirty sowie Librettist für Opern, darunter »Babur in London« [2012].

Darüber hinaus ist er als Herausgeber und Anthologist tätig, unter anderem für »The Bloodaxe Book of Contemporary Indian Poets« [2008] und »The Penguin Book of Indian Poets« [2022]. Thayil ist Gründer des Shakti Bhatt Prize, der nach seiner verstorbenen Frau benannt ist und von 2008 bis 2025 an Debütautorinnen in Indien verliehen wurde. 2025 gründete er gemeinsam mit HarperCollins India das Imprint Thayil Editions, das experimentelle Lyrik und Prosa in englischer Sprache in Indien fördert. Der erste Band der Reihe, Adil Jussawallas »Soliloquies«, erschien Anfang dieses Jahres. In seiner Rolle als Kurator und Förderer literarischer Stimmen setzt sich Thayil dafür ein, das Spektrum der Autorinnen zu erweitern, die im Mainstream Beachtung finden. Thayil lebt in Bengaluru.

Stand: 2025

Gemini

Viking

New Delhi, 1992

Apocalypso

Aark Arts

London, 1997

English

Rattapallax Press, Penguin

New York, New Delhi 2004

These Errors Are Correct

Westland & Tranquebar Press

New Delhi, 2008

Narcopolis

Penguin

New York, 2012

Collected Poems

Aleph Book Company

New Delhi, 2015

The Book of Chocolate Saints

Aleph Book Company

New Delhi, 2017

Low

Faber & Faber

London, 2020

Names of the Women

Jonathan Cape (Penguin)

New York, 2021

The Elsewhereans: A Documentary Novel

HarperCollins

New Delhi, 2025