23. ilb 06. – 16.09.2023

Jean-Paul Dubois

Jean-Paul Dubois, geboren 1950 in Toulouse, begann sein Berufsleben auf Baustellen und als Möbelfotograf, bevor er Soziologie studierte und eher zufällig zum Schreiben fand. Er arbeitete zunächst als Sportreporter für verschiedene Tageszeitungen und berichtete ab 1984 als Korrespondent des überregionalen Nachrichtenmagazins »Le Nouvel Observateur« aus den USA. Insgesamt fünfzehn Jahre verbrachte er auf dem nordamerikanischen Kontinent; seine Erfahrungen und die Geschichten, die er dort erlebte, verarbeitete er in den Essaybänden »L’Amérique m’inquiète« (1996; Ü: Amerika beunruhigt mich) und »Jusque-là tout allait bien en Amérique« (2002; Ü: Bis jetzt war in Amerika alles in Ordnung). In dieser Zeit entstanden auch seine ersten Romane.

Seit 1987 verfasst er fast jedes Jahr ein Buch – immer während einer kurzen, schreibintensiven Phase im März, wobei ihm neben seiner ungewöhnlichen Arbeitsweise nachgesagt wird, nichts zu erfinden, sondern allein aus dem zu schöpfen, was er selbst erlebt oder gesehen habe. Im Jahr 2019 erhielt Dubois mit dem Prix Goncourt den wichtigsten Literaturpreis Frankreichs. Ausgezeichnet wurde sein mittlerweile in zahlreiche Sprachen übersetzter Roman »Tous les hommes n’habitent pas le monde de la même façon« (2019; dt.: »Jeder von uns bewohnt die Welt auf seine Weise«, 2020), dessen Hauptfigur Paul Hansen im Toulouse der sechziger Jahre aufwächst als Sohn eines aus Dänemark stammenden konservativen Pfarrers und einer linksgerichteten, an der Kultur der Avantgarde interessierten Kinobesitzerin. Viele Jahre später sitzt Hansen in einem kanadischen Gefängnis und erinnert sich an diese Zeit und die weiteren Jahre seines Lebens, die ihr folgten. Die Leser*innen erfahren, wie Hansen nach seiner Übersiedlung nach Nordamerika zwanzig Jahre lang als Hausmeister tätig war, bevor ihm wegen eines geringfügigen Fehlers gekündigt wurde – eine persönliche Katastrophe, die sein Leben nachhaltig prägen sollte. In tragikomischem Ton und im Stile der großen amerikanischen Erzähler Philip Roth und John Updike erzählt der Roman von gesellschaftlichen Aufbrüchen und sozialer Ungerechtigkeit, von den Herausforderungen des menschlichen Zusammenlebens und den individuellen Erfahrungen des Scheiterns. Im Zentrum steht die Beobachtung, dass jeder Mensch sein Leben anders lebt – wie Dubois den Titel seines Romans einmal paraphrasierte: Alle haben ihre ganz eigene Art, mit dem Leben umzugehen.

Mit seinem umfangreichen Werk zählt Dubois zu den bedeutendsten französischen Autor*innen der Gegenwart. Abgesehen vom Prix Goncourt erhielt er u. a. 1996 den Prix France Télévisions für sein filmisch adaptiertes Buch »Kennedy et moi« (1996; Ü: Kennedy und ich) und 2004 den renommierten Prix Femina für seinen Roman »Une vie française« (2004; dt.: »Ein französisches Leben«, 2007). Der Autor lebt in Toulouse.