Jean-Christophe Rufin

Portrait Jean Christophe Rufin
Jean Christophe Rufin [© Francesca Mantovani]

Jean-Christophe Rufin wurde 1952 in Bourges geboren. Er wuchs vorwiegend bei seinen Großeltern auf. Sein Großvater, ein Arzt, war ab 1940 für zwei Jahre im KZ Buchenwald inhaftiert, weil er Mitglieder der Résistance in seinem Haus in Bourges versteckt hatte. Jean-Christophe Rufin wählte ebenfalls den Arztberuf und studierte sowohl Medizin an der Pitié-Salpêtrière in Paris als auch Politik am Institut d’études politiques. 1976 trat er seinen Wehrdienst im tunesischen Sousse an, wo er in der Geburtshilfe arbeitete. Später war er an verschiedenen Krankenhäusern in Frankreich sowie in Brasilien tätig, dann auch in der zentralen Krankenhausverwaltung. Neben verschiedenen politischen Ämtern gilt Rufin als einer der Pioniere von Médecins sans frontières und war zwischen 1991 und 1993 deren Vizedirektor. Zwischen 1994 und 1996 stand er dem Französischen Roten Kreuz vor, 1999 war er als Administrator von Première Urgence im Kosovo stationiert. Von 2002 bis 2006 wirkte er als Präsident der Action contre la faim, 2007 bis 2010 war er Botschafter Frankreichs in Senegal.

Daneben widmete er sich dem Schreiben. Die Erfahrungen von mehr als zwanzig Jahren Tätigkeit in NGOs in Nicaragua, Afghanistan, den Philippinen, Ruanda und auf dem Balkan flossen ein in seinen kritischen Essay »Le piège humanitaire« [1986; Ü: Die humanitäre Falle]. Sein Debütroman »L’Abyssin« [1997; dt. »Der Abessinier«, 1998] über einen jungen, begabten Apotheker, der im Abessinien des 17. Jahrhunderts den dortigen König heilen soll, wurde mit dem Prix Goncourt du premier roman und dem Prix Méditerranée ausgezeichnet.

Oft verpackt Rufin seine Themen Ökologie, Entwicklungshilfe und Menschenrechte in einen Thriller-Plot. »Le Parfum dʼAdam« [2007; dt. »100 Stunden«, 2008] erzählt von einer Umweltaktivistin, die 2005 in Polen Tiere aus einem Versuchslabor befreit und dabei in ein mörderisches Komplott verwickelt wird, bei dem die Rettung der Welt über Menschenleben in armen Ländern gestellt wird. Der historische Roman »Rouge Brésil« [2001] behandelt eine wenig bekannte Geschichte aus der Zeit der Renaissance: den Versuch der Franzosen, unter der Führung des Malteserritters Nicolas Durand de Villegagnon Brasilien zu kolonialisieren. »Globalia« [2004; dt. 2005] wiederum ist eine Dystopie über einen totalitären Weltstaat, der seinen Bürger:innen Sicherheit und Wohlstand verspricht, ihnen aber jegliche Freiheiten und die Kritik am System abspricht. Über seinen Werdegang als Arzt, seinen familiären Hintergrund und die ärztliche Ethik reflektiert Rufin in »Un léopard sur le garrot« [2008; dt. »Im Rücken ein Leopard. Wie Afrika mein Leben veränderte«, 2010]. In seinem Kriminalroman »Le Suspendu de Conakry« [2018; dt. »Der Gehängte von Conakry«, 2022] wird der gelangweilte französische Konsul in Guinea mit dem Mord an einem Europäer im Yachthafen von Conakry konfrontiert und nimmt auf eigene Faust Ermittlungen auf.

Für sein literarisches Werk erhielt Jean-Christophe Rufin zahlreiche Preise, darunter den Prix Goncourt 2001 für »Rouge Brésil«. Die Académie française nahm ihn als damals jüngstes Mitglied 2008 auf.

Stand: 2022