23. ilb 06. – 16.09.2023

Jay Bernard

Portrait Jay Bernard
Jay Bernard [© Lemn Sissay]

Jay Bernard wurde 1988 im Londoner Bezirk Croydon geboren. Als Filmkurator:in war xier bei BFI Flare, dem Londoner LGBTQ-Filmfestival, tätig und arbeitete zudem bei der Forschungsbibliothek und dem Archiv der Bürgerrechtsagentur Statewatch.

Jay Bernards erste Gedichtsammlung »Surge« [2019; Ü: Schwall] basiert auf den sogenannten New-Cross-Fire-Ereignissen: Am 18. Januar 1981 kamen dreizehn Schwarze Teenager bei einer Geburtstagsparty ums Leben, als ein Brand das Haus in der New Cross Road 439 im Südosten Londons erfasste. Die Brandursache wurde nie richtig aufgeklärt. Jay Bernard griff diesen Vorfall auf, um von der langen Geschichte des Rassismus in Großbritannien zu erzählen, die schließlich in Proteste gegen die Diskriminierung der Polizei mündeten. Um den Spannungsbogen zwischen öffentlichem Narrativ und privaten Wahrheiten auszuloten, forschte xier zudem im Archiv des George Padmore Institute nach den Hintergründen der Brandtragödie des Grenfell Tower, des Windrush-Skandals und des Brexit. Die Ebene der Archivinhalte wird erweitert durch Fragen nach Herkunft und Zugehörigkeit sowie der Kategorisierung in nationale, lokale und ethnische Identitäten, die in Kombination mit Gewalt ein Zuhausesein unmöglich machen. Darüber hinaus nehmen einige Gedichte der Sammlung Bezug auf Denker der Schwarzen Diaspora wie C. L. R. James, Édouard Glissant und Aimé Césaire und ihren transatlantischen Diskurs über Fragen des Rassismus. Später tauchen die Motive Erotik und Sexualität auf, und das lyrische Ich erfährt eine zunehmende Selbstdefinition und befreit sich zum selbstbewussten Individuum: »I am from here, I am specific to this place, I am haunted by this history but I also haunt it back.«

Der Gedichtband war nominiert für den T. S. Eliot Prize 2019, den Costa Poetry Award 2019, den Dylan Thomas Prize 2020 und den RSL Ondaatje Prize 2020 und wurde ausgezeichnet mit dem Sunday Times Young Writer of the Year Award 2020. In xies vorangegangenen Publikationen, den interdisziplinären Streitschriften »Your Sign is Cuckoo, Girl« [2008] und »English Breakfast« [2013] widmete sich Jay Bernard LGBT-Identitäten. »The Red and Yellow Nothing« [2016], eine Nacherzählung der Geschichte von Sir Morien, einem Schwarzen Ritter der Tafelrunde, war für den Ted Hughes Award nominiert.

Jay Bernards Kurzfilm »Something Said« wurde international aufgeführt und gewann beim Leeds International Film Festival den Preis für den besten experimentellen bzw. den besten queeren Kurzfilm. Neben anderen Auszeichnungen erhielt Jay Bernard 2017 den Ted Hughes Award für neue Poesie für die Multimedia-Performance-Arbeit »Surge: Side A«. 2018 wurde xier zum Fellow der Royal Society of Literature gewählt. Bernard lebt in London und ist 2022 zu Gast beim Künstlerprogramm des DAAD.

Stand: 2022