23. ilb 06. – 16.09.2023

Jānis Joņevs

Jānis Joņevs wurde 1980 in Jelgava südwestlich von Riga geboren. Er studierte Kulturwissenschaften in Riga und debütierte 2013 mit dem autobiografisch inspirierten Coming-of-Age-Roman »Jelgava 94« [dt. »Jelgava 94«, 2022], der in Lettland zum Bestseller avancierte und mehrfach ausgezeichnet wurde.

Das Romangeschehen setzt am 5. April 1994 ein, dem Tag, an dem Nirvana-Frontmann Kurt Cobain sich das Leben nahm. Die Jugendlichen in der lettischen Provinzstadt Jelgava lässt dieses Ereignis nicht unberührt. Der 14-jährige Janis, Erzähler des Romans, schließt sich der alternativen Metal-Subkultur an und versucht sich im Rebellentum, indem er all die Dinge tut, die auch die anderen in der Szene tun. Er besucht Konzerte, betrinkt sich, beginnt zu rauchen, gründet eine Band, obwohl er nicht wirklich weiß, wie man Gitarre spielt, lässt sich die Haare wachsen und trägt zerrissene Jeans und T-Shirts mit Bandlogos. Der Roman erschöpft sich jedoch nicht in der humorvollen Schilderung eines Teenagerlebens und der für dieses Alter typischen Suche nach der eigenen Identität. Mit einer Vielzahl kultureller, historischer und literarischer Anspielungen und philosophischer Beobachtungen erzählt er auch die Landesgeschichte mit: Zu der damaligen Zeit hatte Lettland gerade seine Unabhängigkeit von der Sowjetunion wiedererlangt, was wirtschaftliche und soziale Umwälzungen zur Folge hatte. »Joņevs ist der erste Schriftsteller, der die Erinnerungen an diese Zeit durch eine vollwertige literarische Darstellung wachruft«, so die Jury des Literaturpreises der Europäischen Union, mit dem der Roman 2014 ausgezeichnet wurde.

»Jelgava 94« wurde in mehrere Sprachen übersetzt und 2019 unter der Regie von Janis Abele fürs Kino verfilmt. 2014 veröffentlichte Jānis Joņevs das Kinderbuch »Slepenie svētki« [Ü: Heimliches Festmahl]. 2020 erschien die Kurzgeschichtensammlung »Tīģeris« [Ü: Tiger], die mit dem lettischen Literaturpreis für das beste Prosawerk ausgezeichnet wurde. In der Anthologie »Le Grand Tour« [2022], für die der Herausgeber Olivier Guez jeweils einen Autor, eine Autorin aus jedem Mitgliedstatt der EU um einen Text über einen Ort der europäischen Kultur bat, vertritt Jānis Joņevs Lettland.

Neben seiner schriftstellerischen Tätigkeit arbeitet Jānis Joņevs auch als Werbetexter, Kulturjournalist und Übersetzer aus dem Französischen. So übertrug er u. a. Ágota Kristófs »Le grand cahier« ins Lettische. Des Weiteren war er in der Rolle als Co-Regisseur und Co-Autor an mehreren Theaterproduktionen beteiligt. Er lebt in Riga.

Stand: 2022