22. ilb 07. - 17.09.2022

Lina Itagaki

Lina Itagaki wurde 1979 im litauischen Kaunas geboren. Von 1997 bis 1999 studierte sie Anglistik und Literatur an der Vytautas-Magnus-Universität, ging dann nach Japan und studierte bis 2003 in Tokio Internationale Wirtschaft. Von 2005 bis 2010 arbeitete sie in der litauischen Niederlassung des japanischen Computerspieleunternehmens TECMO KOEI in Vilnius als Assistant Manager und Übersetzerin aus dem Japanischen. Ab 2010 studierte sie an der Kunstakademie von Vilnius und erlangte 2014 einen Bachelor in Graphic Art.

Zusammen mit der litauischen Autorin und Übersetzerin Jurga Vilė veröffentlichte sie 2017 ihre erste Graphic Novel »Sibiro Haiku« (Ü: Sibirische Haikus), die beim Buchkunstwettbewerb in Litauen mit dem Hauptpreis ausgezeichnet und zum schönsten Buch des Jahres 2017 gewählt wurde. Thematisiert wird die Deportation von Litauern in der Zeit der Sowjetunion, von der auch Itagakis Großvater betroffen war. Für die Illustration der Geschichte brauchte Itagaki etwa neun Monate und nahm dabei alte Familienfotos der Autorin und andere Quellen über das Leben in Sibirien zu Hilfe. Das Thema Deportation wird anhand einer konkreten Familiengeschichte erzählt: Eines Tages im Jahr 1941 wird eine litauische Familie von russischen Soldaten zum Bahnhof getrieben und danach mit vielen anderen Familien nach Sibirien deportiert. Dort leben sie unter schwierigen Bedingungen, jedoch hat eine Tante ein japanisches Buch mit Haikus mitgenommen, mit dem sie ihre Umgebung ein wenig aufzumuntern versucht. Itagaki zeigt in den Bildern auch die wenigen glücklichen Kindheitsmomente in der Verbannung und mildert Härte und Grausamkeit des Geschehens durch Pastellfarben ab.

Für ihr künstlerisches Schaffen erhielt die Illustratorin Preise bei der Buchkunstausstellung Illustration and Books 2015 in Vilnius und beim COW International Design Festival Illustration 2015 in der Ukraine. 2017 wurde auf der Comic Invasion Berlin das Projekt »Drawing the XXth Century. Comics on Lithuanian, Belarusian and German Family Stories« von Mawil präsentiert, an dem sie beteiligt war. Einer ihrer Comics erschien außerdem im Sammelband »Redrawing Stories from the Past II« (2018), einem Projekt von Comic-Künstler Sascha Hommer und Theoretiker Ole Frahm, das sich im zweiten Teil den Migrations- und Fluchtbewegungen in Europa nach dem Zweiten Weltkrieg widmet. Itagaki beteiligt sich regelmäßig an Gruppenausstellungen in Litauen und im Ausland. Derzeit ist sie als freischaffende Illustratorin und Designerin, u. a. für das Puppentheater Klaipėda, und im Bereich Kommunikation an der Fakultät Klaipėda der Kunstakademie Vilnius tätig. Sie lebt in Vilnius und arbeitet an neuen Kinderbuch- und Comic-Projekten.