23. ilb 06. – 16.09.2023

István Kemény

István Kemény wurde 1961 in Ungarns Hauptstadt Budapest geboren. Nach Ende seiner Schulzeit studierte er dort zunächst Jura, entschied sich dann jedoch für ein Studium der Geschichte und der ungarischen Literatur, das er 1993 abschloss.

Schon zu diesem Zeitpunkt nahm Kemény, dessen Wohnung während seiner Studienjahre ein wichtiger Treffpunkt für junge Schriftsteller war, eine Schlüsselrolle in der ungarischen Literaturszene ein. Nachdem bereits seine ersten beiden Gedichtbände »Csigalépcsõ az elfelejtett tanszékekhez« (1984; Ü: Wendeltreppe zur vergessenen Fakultät) und »Játék méreggel és ellenméreggel« (1987; Ü: Spiel mit Gift und Gegengift) große Beachtung gefunden hatten, veröffentlichte der Autor in den 1980er Jahren weitere Sammlungen seiner Lyrik sowie sein erstes großes Prosastück, den experimentellen Roman »Az ellenség művészete« (1989; Ü: Die Kunst des Feindes). Neben seinen bis heute kontinuierlich erscheinenden Gedichtbänden, Erzählungen und Romanen verfasst Kémeny außerdem Dramen und Essays. Die Lyrik des Autors ist dafür bekannt, anhand von traditionellen Symbolen wie Teufeln und Engeln düstere Welten zu erschaffen, die einerseits surreal und diffus erscheinen, andererseits jedoch immer auf erhellende Weise an die gesellschaftliche und vor allem geschichtliche Wirklichkeit gebunden sind und deren Strukturen bloßlegen. Ohnehin begegnet uns überall in Keménys Werk in ironischem, aber auch melancholischem Ton Historisches – insbesondere die Geschichte des europäischen Kontinents. Um sich der Vergangenheit und ihren Geheimnissen literarisch annähern zu können, befragt der Schriftsteller beispielsweise ältere Familienangehörige, deren Erinnerungen er auf Tonband aufzeichnet. Auch sein neuester Roman »Kedves Ismeretlen« (2009; Ü: Geliebtes Unbekanntes) entwickelt sich entlang des Motivs des in der Vergangenheit Verborgenen. Tamás Krizsán, der Erzähler, blickt zurück in die Geschichte seiner ungarischen Familie, wo unaussprechliche Begebenheiten lauern, die ihre Wirkung noch in der Gegenwart und sogar in der Zukunft entfalten.

István Kemény erhielt zahlreiche Stipendien und Preise, so wurden ihm 1997 der Déry-Tibor-Preis und mit dem József-Attila-Preis die bedeutendste Literaturauszeichnung Ungarns verliehen. Es folgten u. a. 2001 der Zelk-Zoltán-Preis, 2004 der JAK-Preis und schließlich der Laurel-Preis der Republik Ungarn im Jahr 2007. Kemény lebt und arbeitet in Budapest.