22. ilb 07. - 17.09.2022

Irene Solà

Irene Solà wurde 1990 in Malla geboren, einem kleinen Dorf in der Provinz Barcelona. Sie studierte Bildende Kunst in Barcelona und Reykjavík und absolvierte einen Master in Literatur, Film und Visueller Kultur an der University of Sussex.

2012 veröffentlichte sie den Gedichtband »Bèstia« [Ü: Bestie], der mit dem Premi Amadeu Oller ausgezeichnet und ins Englische übersetzt wurde. Mit düsteren Bildern, sinnlich und präzise erkundet Irene Solà darin Themen wie Geschlecht, Identität, Sexualität und vielfältige Formen des Begehrens. 2017 legte sie mit »Els dics« [Ü: Die Dämme] ihren ersten, experimentell angelegten Roman vor, der aus zahlreichen miteinander verwobenen Geschichten besteht. Hauptfigur ist Ada, eine junge Frau, die nach drei Jahren in London in ihren Heimatort im ländlichen Katalonien zurückkehrt. Der Roman wurde von der Kritik positiv aufgenommen. »Was in der ganzen Geschichte triumphiert, ist die Freude am Erzählen, die Freude an der Entdeckung dessen, was passiert, wenn der Akt des Erzählens stattfindet«, hob »El País« hervor. »Els dics« wurde mit dem Premi Documenta ausgezeichnet, der seit 1980 jährlich an eine:n Nachwuchsautor:in katalanischer Sprache vergeben wird.

2019 erschien Irene Solàs zweiter Roman »Canto jo i la muntanya balla« [dt. »Singe ich, tanzen die Berge«, 2022]. Schauplatz des Geschehens ist ein katalanisches Bergdorf in den Pyrenäen; Solà verzichtet jedoch erneut auf eine lineare Erzählweise und experimentiert mit Zeitsprüngen und wechselnden Erzählperspektiven. So wird der Tod des jungen Familienvaters und Bauern Domènec durch Blitzschlag zunächst aus Sicht des Gewitters geschildert, bevor später seine Frau, seine Kinder und die Dorfbewohner zu Wort kommen. Auch Tieren, Pflanzen und Bergen verleiht die Autorin eine Stimme. In einer lyrischen Prosa, spielerisch und fantasievoll ausgestaltet, erzählt der Roman von der Zeit vor und nach Domènecs Tod und lässt dabei auch die Geschichte und Mythologie der Region mit einfließen. »Dieses Buch ist ein wahres Wunder. Ein vielstimmiger Chorgesang, so voller Imagination und Leben, dass man sich im Lesen eingehüllt und verzaubert fühlt, wie in eine andere Ebene der Realität entführt«, befand die »SZ«.

Irene Solà erhielt mehrere Stipendien, so wurde sie 2018 als International Fellow an das Alan Cheuse International Writers Center der George Mason University in Virginia, USA, eingeladen und 2019 für das Programm Art Omi: Writers [früher bekannt als Ledig House] in New York ausgewählt. Für »Canto jo i la muntanya balla« wurde sie 2019 mit dem Premi Anagrama de novel·la und 2020 mit dem Literaturpreis der Europäischen Union ausgezeichnet. Der Roman wird derzeit weltweit in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Die Autorin lebt in der Nähe von Barcelona.

Stand: 2022