23. ilb 06. – 16.09.2023

Hilary Mantel

Portrait Hilary Mantel
© Anita Corbin

Hilary Mantel wurde 1952 in Glossop, England, geboren. Sie studierte Jura in London und lebte mit ihrem Ehemann, einem Geologen, mehrere Jahre in Botswana und Saudi-Arabien. Zuvor als Sozialarbeiterin tätig, arbeitete sie nach ihrer Rückkehr nach Großbritannien bis 1991 als Filmkritikerin für die Zeitschrift »The Spectator«.

1985 debütierte sie mit »Every Day is Mother’s Day« (1985; dt. »Jeder Tag ist Muttertag«, 2016), einem Roman über eine Mutter und ihre geistig behinderte, schwangere Tochter, der auf satirische Weise das Leben der englischen Mittelschicht in den siebziger Jahren beschreibt. Es folgten weitere Romane, von denen einige bereits Mantels Vorliebe für historische Stoffe offenbarten. So verfolgt »A Place of Greater Safety« (1992; dt. »Brüder«, 2012) die Wege von Georges Danton, Maximilien Robespierre und Camille Desmoulins durch die Wirren der Französischen Revolution. In ihrem Memoir »Giving Up the Ghost« (2003; dt. »Von Geist und Geistern«, 2015) hingegen erzählt Mantel mit großer Offenheit aus ihrem eigenen Leben, vom Aufwachsen in einfachen Verhältnissen bis hin zu den Auswirkungen ihrer lange nicht erkannten und falsch behandelten Endometriose. Mit den ersten beiden Teilen ihrer Tudor-Trilogie über den Aufstieg Thomas Cromwells am Hofe Heinrichs VIII. wurde Hilary Mantel international bekannt. Sowohl »Wolf Hall« (2009; dt. »Wölfe«, 2010) als auch »Bring Up the Bodies« (2012; dt. »Falken«, 2012) wurden mit dem Man Booker Prize ausgezeichnet, entwickelten sich zu weltweiten Bestsellern und wurden für Theater und Fernsehen adaptiert. 2020 erschien mit »The Mirror and the Light« (dt. »Spiegel und Licht«, 2020) der dritte Teil der Trilogie, die mit Cromwells Eintritt in die Sphären der Macht beginnt, seinen Werdegang zum engsten Berater des englischen Königs schildert und mit seiner Hinrichtung endet. Hilary Mantel »erzählt diese 500 Jahre alten Geschehnisse durchgängig in einem atemberaubend rasanten Präsens, reich durchsprenkelt mit schneidigen, schlagfertigen und oft sehr witzigen Dialogen, die im Leser ein Jetzt-Gefühl des direkten Dabei-Seins erzeugen«, hob die Literaturkritikerin Sigrid Löffler in einem Beitrag für Deutschlandfunk Kultur hervor. »Wir sind als Leser und Leserinnen mit Cromwell in der krawalligen, gewalttätigen, gefährlichen, unerhört sinnlichen und farbenprächtigen Welt der englischen Renaissance unterwegs.«

2013 erhielt Hilary Mantel den David Cohen Prize für ihr Lebenswerk. 2014 wurde sie von der Queen in den Stand der Dame Commander des Order of the British Empire erhoben. Sie ist Ehrendoktorin mehrerer Universitäten, darunter Cambridge und Oxford. Mantel starb am 22. September 2022 im britischen Exeter.