23. ilb 06. – 16.09.2023

Heinz Janisch

Heinz Janisch wurde 1960 in Güssing im österreichischen Burgenland geboren und studierte Germanistik und Publizistik an der Universität Wien. Seit 1982 ist er freier Mitarbeiter des ORF-Hörfunks und leitet heute als verantwortlicher Redakteur die Reihe „Menschenbilder“. Seit der Veröffentlichung seines ersten Kinderbuchs „Mario, der Tagmaler“ (1989) hat er eine Vielzahl von Bilderbüchern, Gedichtbänden und Erzählungen für Kinder und Erwachsene vorgelegt.

Heinz Janisch versteht es, seinen Texten eine lyrische Note zu verleihen und den Zauber der Poesie in die Welt der Kinderliteratur zu tragen. In der Färbung seiner Sprache, in den überraschenden Wendungen und der Fähigkeit, Figuren und Gegenstände lyrisch zum Leben zu erwecken, darin ist Heinz Janisch unnachahmlich, unverkennbar („1001 Buch“). Zu einem großen Erfolg wurde „Ich schenk Dir einen Ton aus meinem Saxofon“ (1999) – eine Sammlung von skurrilen Geschichten und vergnüglichen Versen für Kinder ab sieben Jahre. Die einzelnen Texte kreisen um Themen, die Erwachsenen und Kindern gleichermaßen nahe sind: um das Ich, das Zuhause, um die Großeltern, um Tiere, um Liebe, um Wünsche und Träume. Vertraute Dinge und Ereignisse verändern sich in Janischs Texten, erhalten eine neue Kontur, eine merkwürdige Fremdheit: Ein Haus hat Kopfweh und zieht aufs Land, ein Kaktus rasiert sich und fährt zum Meer und ein Frosch will im Jaguar nach Afrika reisen. Sensibel und leichtfüßig spürt der Autor der Bedeutung von Worten nach, zeigt sich als stiller Beobachter und heiterer Tagträumer. Was aus seinen Texten und den eindringlichen Schwarzweiß-Illustrationen Linda Wolfsgrubers erwächst, ist mal komisch, mal traurig, mal nachdenklich oder voller Übermut: „Gestern war mein Haus betrunken! Stand da und wankte und schwankte und grölte / und sang ganz laut!“ Mit seinem Lyrikband „Heute will ich langsam sein“, der 2006 den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis erhielt, setzte Janisch 2005 seinen Erfolg in diesem Genre fort. In seinem Bilderbuch über die resolute „Prinzessin auf dem Kürbis“ (1998) zeichnet er ein neues Prinzessinnenbild, das nichts mehr mit der zimperlichen Prinzessin auf der Erbse zu tun hat. Mit magischen Bildern ebenfalls von Linda Wolfsgruber illustriert, changiert sein Bilderbuch zwischen einem märchenhaften Ton und den frisch-frechen Aussagen der emanzipierten Prinzessin. Mit feinem Humor und großem Einfühlungsvermögen entfaltet der Autor in seiner tragikomischen Vogelgeschichte „Zack bumm!“ (2000) die Psychose des kleinen Vogels Sigmund, der nach einem Sturz aus seinem Nest nur noch „Zack bumm!“ krächzt. Illustriert von Helga Bansch erzählt er von Sigmunds Heilung auf dem großen, grasgrünen „Nachdenksofa“ des alten weißen Hasen Carl Gustav. Nach „Schenk mir Flügel“ (2003), einem Bilderbuch für jedes Alter, erschienen 2004 „Einer für alle! Alle für einen!“ und „Ein ganz gewöhnlicher Montag“. In dem Bilderbuch „Rote Wangen“ (2005) erfährt der Leser, wie tief und liebevoll die Beziehung zwischen zwei Generationen bis über den Tod hinaus sein kann. Unvergessen sind einem Enkelkind die vielen phantastischen und abenteuerlichen Geschichten, die ihm einst der geliebte Großvater aus seinem Leben erzählte. In der Erinnerung an sie lebt der alte Mann für seinen Enkel weiter. Das einfühlsam von Aljoscha Blau illustrierte Bilderbuch wurde 2006 für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert und erhielt den renommierten Bologna Ragazzi Award 2006. In Janischs 2007 veröffentlichten Kinderbuch „Schatten“, begleitet der junge Leser den kleinen Sven auf seinem phantastischen Ausflug in die Stadt, auf dem die Schatten zum Leben erwachen und hinter dem Rücken ihrer Träger so manchen Scherz treiben.

Heinz Janisch wurde für seine Kinderbücher bereits mehrvielfach ausgezeichnet, darunter dreimal mehrfach mit dem Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis (1998, 1999, 2001) sowie mehrmals mit dem Kinderbuchpreis der Stadt Wien (2004, 2005) und dem Österreichischen Staatspreis für Kinderlyrik (2005). Er ist Mitglied der Grazer Autorenversammlung und lebt in Wien und im Burgenland.

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