23. ilb 06. – 16.09.2023

Hassan Dawud

Hassan Dawud wurde 1950 in Beirut, Libanon, geboren. Nach dem Studium der Arabischen Literatur arbeitete er während des Bürgerkriegs als Journalist in Beirut. Von 1979 bis 1988 war er freier Autor für das Feuilleton der Tageszeitung »Alsafir Daily«. Anschließend war er elf Jahre lang als Korrespondent der internationalen arabischen Zeitung »Al-Hayat« tätig, die in London herausgegeben wird. Er schrieb u.a. Artikel über gesellschaftliche Themen sowie Buchrezensionen und Kunst- und Kulturkritiken für das Feuilleton. Derzeit ist er Chefredakteur der Kulturbeilage »Nawafez« der Beiruter Tageszeitung »Al-Mustaqbal Daily«. Seine Kommentare zu politischen und kulturellen Ereignissen im arabischen Raum erscheinen auch in europäischen Zeitungen, etwa in der »Neuen Zürcher Zeitung«. Als Schriftsteller veröffentlichte er bisher zwei Bände mit Erzählungen und vier Romane.

1983 erschien sein erster Roman »Binâyat Mathilde« (1983; engl. »The House of Mathilde«, 1999), der in einem Beiruter Apartmenthaus während des Bürgerkriegs spielt. Im Zentrum dieses sozialen Mikrokosmos aus muslimischen und christlichen Mietern steht Mathilde, die einen namenlosen Flüchtling bei sich versteckt hält. Hassan Dawud, der selbst in einem Haus aufwuchs, in dem Muslime, Drusen und Christen sowie Einwanderer aus Russland und Armenien gemeinsam lebten, macht hier eindrucksvoll anhand der Veränderungen im Alltag der Mieter die Hintergründe für die Erschütterungen der libanesischen Gesellschaft sichtbar. Auch in seinen weiteren Romanen begrenzt er das Geschehen auf einen fest definierten Raum. Häufig erzählt er aus der Perspektive von Menschen, die am Rande der Gesellschaft stehen. Dabei verzichtet er weitestgehend auf die Einbindung des Geschehens in lokale Kontexte. Statt dessen fasst er präzise Beobachtungen und subtile Details in eine reduzierte Sprache, die frei von psychologischen Deutungen ist.

In »Ayyâm zâ’ida« (1990; dt. »Tage zuviel«, 2002) entfaltet sich im fortgesetzten Monolog eines alten Mannes, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart, Erinnerungen und Träume zu einem Gedankenfluss vermischen, ein sturer Kampf gegen die Familie, die ihm gleichgültig bis ablehnend gegenübersteht, aber auch ein vergeblicher Kampf gegen zunehmende Hilflosigkeit, körperlichen Verfall und den Tod. Auch der Protagonist von »Ghinâ’ al-bitrîq« (1998; dt. »Der Gesang des Pinguins«, 2000) lebt, beeinträchtigt durch eine körperliche Missbildung, ein Leben auf Distanz zu seinen Mitmenschen. Obsessiv beobachtet und belauscht er eine junge Nachbarin. Der Roman erhielt die Auszeichnung ›Bestes Buch des Libanon 1998‹. 2003 erschien Hassan Dawuds jüngster Roman »Makiage khafif lihazihi Allailah« (Ü: Ein zartes Make-up für heute abend). Hassan Dawud lebt in Beirut.

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