23. ilb 06. – 16.09.2023

Hannele Huovi

Hannele Huovi wurde 1949 im finnischen Kotka geboren und gehört zu den bedeutendsten Kinder- und Jugendbuchautorinnen Finnlands. Bereits als Neunzehnjährige begann sie Radioprogramme für Kinder zu schreiben, was ihrer Laufbahn als Schriftstellerin wichtige Impulse gab, wie sie selber sagt. Denn sie lernte »zu hören und zuzuhören«. Nach ihrem Studium der finnischen Literatur wurde sie als Lyrikerin und Kinderbuchautorin bekannt. Nahezu vierzig Werke hat sie seit ihrem Debüt 1979 veröffentlicht. Ihr vielseitiges Werk umfasst Märchen, Fabeln, Gedichte, Romane, Hörspiele und Drehbücher, Theaterstücke und Übersetzungen von mehr als fünfzig Kinderbüchern. Einige ihrer Werke wurden verfilmt, Übersetzungen liegen in fünf Sprachen vor.

»Wer für Kinder schreibt«, sagt sie, »steht an der Schwelle zweier Welten. Ich möchte Grenzen überwinden und eine Brücke zwischen diesen Welten sein.« Hannele Huovis literarische Neugier und künstlerische Originalität haben die finnische Literatur erfrischt und bereichert. Ob in realistischen Romanen für Jugendliche, schillernden Märchen und humorvollen Geschichten für Kinder oder impressionistischer Naturlyrik für Erwachsene, sie bewegt sich stets stilsicher in allen Genres und versteht es, sich mit großer Feinfühligkeit und lyrischer Eleganz auf ihre Leser einzustellen. Ihre Texte zeugen von einer innigen Beziehung zur Natur und unterstreichen Tugenden wie Menschlichkeit, Wärme und Toleranz. Zu Huovis beliebtesten Kinderbüchern gehören die humorvoll-turbulenten Geschichten um die Teddybären Urpo und Turpo (»Urpo ja Turpo«, 1987ff), aber auch ihre Reim- und Gedichtsammlungen für Kinder, wie »Vauvan vaaka« (1995; Ü: Die Kinderwaage), mit der sie den Zauber der Poesie in die Kinderliteratur trägt.

1988 legte sie nach »Madonna« (1986) mit »Vladimirin kirja« (dt. »Wladimirs Buch«, 1994) ihr zweites Jugendbuch vor – ausgezeichnet mit dem Anni Swan Preis (1989) und dem Finnischen Staatspreis (1989). In wunderbar poetischen Bildern erzählt sie darin von den Lehr- und Wanderjahren des Fürsten Wladimirs, der, aus den Wäldern kommend, dem Geheimnis seiner Eltern nachspürt und zum engsten Vertrauten des Zaren wird. »Wladimirs Buch« erinnert an Goethes »Wilhelm Meister« und Grimmelshausens »Simplicissimus« und ist eine spannende, bisweilen mystische und nachdenklich stimmende Erzählung über Freiheit und Wahrheit, Tod und Torheit, Liebe, Macht und Gewalt, Versäumnis und Schuld – ein eindringliches Plädoyer für die Suche nach dem eigenen Weg, angesiedelt in einem märchenhaften Russland. Der große poetische Reiz des Romans liegt in den Märchen, die Huovi behutsam in die Handlung einfließen lässt – selbst erfundene oder aus dem Samischen, Karelischen und Russischen nacherzählte Märchen.

Zu den Auszeichnungen der wandlungsfähigen Autorin gehören u.a. der Arvid-Lydecken-Preis (1986/89/96), der Topelius-Preis (2002) und der Preis der Finnischen Kulturstiftung (2003). Sie ist für den renommierten Hans Christian Andersen Award 2006 nominiert. Hannele Huovi lebt mit ihrer Familie in Keuruu, Finnland.

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