22. ilb 07. - 17.09.2022

Hanif Kureishi

Hanif Kureishi wurde 1954 im Londoner Vorort Bromley geboren. Als Sohn einer Engländerin und eines pakistanischen Einwanderers wuchs er in einem kulturellen Zwischenraum auf, in dem auch einige Helden seiner Geschichten angesiedelt sind. Kureishi begann schon als Teenager Romane zu schreiben, war aber nach Abschluss seines Philosophiestudiums zunächst als Dramatiker am Royal Court Theatre in London und als Drehbuchautor erfolgreich. International bekannt wurde Kureishi 1985 durch sein für den Oscar nominiertes Drehbuch für Stephen Frears Film »My Beautiful Laundrette« (dt. »Mein wunderbarer Waschsalon«, 1991 bei Droemer Knaur). Der Film erzählt die Geschichte eines jungen, erfolgshungrigen Pakistaners, der mit seinem weißen Freund einen Waschsalon eröffnet – im Großbritannien Margaret Thatchers eine ebenso unerhörte wie erfolgreiche Kampfansage an Rassenhass und Homophobie.
»The Buddha of Suburbia« (1990; dt. »Der Buddha aus der Vorstadt«, 1990), Kureishis erster Roman, erhielt in Großbritannien den renommierten Whitbread Book Award. Er schildert satirisch das Erwachsenwerden des bisexuellen »Englishman« Karim Amir zwischen Yoga und Punk im London der wilden 1970er Jahre. Dabei ist es vor allem der scharfe Blick für die schillernden, in ihrer Banalität zuweilen absurden Facetten des modernen Lebens, der die Geschichten Kureishis auszeichnet. Den späteren Werken ist der melancholische Ton des einstigen Rebellen gemeinsam, der zunehmend auch über die Schwierigkeiten des Älterwerdens nachdenkt, u.a. in der Prosasammlung »The Body« (2002; dt. »In fremder Haut«, 2003): Erzählt wird die – fast schon mörderische – Geschichte eines alternden Schrift stellers, der sein Gehirn in den Körper eines Jünglings versetzen lässt und darüber seine Identität verliert. Oder in seinem jüngsten Roman »Something to Tell You« (2008; dt. »Das sag ich dir«, 2008) in dem ein britisch-pakistanischer Psychoanalytiker in die Midlife-Crisis gerät. »The Word and the Bomb« (2005; Ü: Die Welt und die Bombe) ist eine Sammlung alter und neuer Stücke und Essays zum Konfliktpotenzial zwischen europäischen Werten und islamischem Fundamentalismus. Immer wieder zieht es den Schriftsteller, der 1991 bei »London Kills Me« (dt. »London schafft alle«) selbst Regie führte, auch zur Leinwand. »Intimacy«, ein Film des Franzosen Patrice Chéreau nach Geschichten Kureishis, gewann den Goldenen Bären bei den Berliner Filmfestspielen 2001. Der Film »The Mother« (2003), der auf seinem gleichnamigen Theaterstück basiert, wurde im Rahmen der »Quinzaine des Réalisateurs« in Cannes gezeigt. 2009 wurde Kureishi in die Wettbewerbsjury der 62. Internationalen Filmfestspiele von Cannes berufen. Hanif Kureishi lebt in London.

Dirk Naguschewski

© internationales literaturfestival berlin