22. ilb 07. - 17.09.2022

Günter Grass

Günter Grass wurde 1927 in Danzig geboren. Am Zweiten Weltkrieg nahm er als Panzersoldat teil, wurde verwundet und geriet in amerikanische Kriegsgefangenschaft. Nach seiner Freilassung absolvierte er eine Steinmetzlehre und studierte anschließend Grafik und Bildhauerei in Düsseldorf und Berlin, schrieb Gedichte und Theaterstücke. 1955 wurde er bei einem Lyrikwettbewerb des Süddeutschen Rundfunks ausgezeichnet. Dieser Erfolg bescherte ihm eine erste Lesung vor der „Gruppe 47“ und 1956 „Die Vorzüge der Windhühner“, seine erste Buchveröffentlichung mit Gedichten, Prosa und Zeichnungen. 1958 erhielt Grass den Preis der „Gruppe 47“ für den Roman „Die Blechtrommel“, der 1959 erschien und seinen weltweiten Ruhm als Schriftsteller begründete. Zusammen mit der Novelle „Katz und Maus“ (1961) und dem Roman „Hundejahre“ (1963) bildet er die „Danziger Trilogie“. Obgleich Grass auch Dramen und Gedichte geschrieben hat, fanden seine Prosawerke mit teils autobiographisch geprägten Figuren und Erzählern die größte Beachtung. Die Verbindung von Realismus und skurriler Phantasie, eine große Lust an Sprachspielen, Jargon und grotesken Bildern zeichnen seine Werke aus. In den sechziger Jahren begann Grass, sich politisch zu engagieren, zog für die SPD in den Wahlkampf und gründete die Sozialdemokratische Wählerinitiative. Seitdem äußert er sich regelmäßig zu politischen Themen, so auch zum Irak-Krieg im Frühjahr 2003. Auch in seinen literarischen Arbeiten lässt er „den Bürger im Schriftsteller zu Wort kommen“ und reflektiert als politischer Moralist die Geschichte Deutschlands – seien es die Geschehnisse des 17. Juni 1953 in seinem Drama „Die Plebejer proben den Aufstand“ (1966), die deutsche Wiedervereinigung in dem Roman „Ein weites Feld“ (1995) oder den Untergang des „Kraft-durch-Freude“-Schiffs „Wilhelm Gustloff“ im Januar 1945 in der Novelle „Im Krebsgang“ (2002). Als im Vorfeld seines Erinnerungsbuches „Beim Häuten der Zwiebel“ (2006) bekannt wurde, dass der Autor als 17jähriger für kurze Zeit Mitglied der Waffen-SS gewesen war, stand er in Deutschland im Zentrum einer heftigen öffentlichen Diskussion.
Neben zahlreichen literarischen Auszeichnungen und Ehrentiteln erhielt Grass 1999 den Literatur-Nobelpreis für sein Lebenswerk. Er habe, so die Schwedische Akademie, „in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet“.

Günter Grass starb 2015 in Lübeck.

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