Arnon Grünberg

Portrait Arnon Grünberg
© Hartwig Klappert

Arnon Grünberg wurde 1971 in Amsterdam, Niederlande, geboren. Er stammt aus einer deutsch-jüdischen Familie und wuchs in Amsterdam auf, im Alter von 17 Jahren wurde er der Schule verwiesen. Er gründete zunächst einen eigenen Verlag (Kasimir) und veröffentlichte 1994 im Alter von 23 Jahren sein erstes Buch »Blauwe maandagen« (dt. »Blauer Montag«, 1997). In dieser tragischen Slapstickkomödie werden die Welt der Prostitution, aber auch die Gefühlswelt der zweiten Generation der Holocaust-Opfer beschrieben. Das Buch wurde ein Bestseller, der Autor erhielt den renommierten Anton-Wachter-Preis. Seine beiden folgenden Romane waren ebenfalls sehr erfolgreich, sowohl bei den Leser*innen als auch bei der Kritik.

Arnon Grünberg veröffentlichte mehrere Essays und Theaterstücke, aber es war erneut einer seiner Romane – »Fantoompijn« (2000; dt. »Phantomschmerz«, 2003) –, für den er mit dem AKO-Literaturpreis ausgezeichnet wurde, dem niederländischen Äquivalent des Booker Prize. Ein Spezialist für vertrackte Liebesgeschichten und groteske Farcen, spielt er mit Klischees, beschreibt aber hinter der Satire immer auch die fragile Gefühlswelt seiner Figuren und lädt die Leser*innen zu einer wahren Achterbahnfahrt der Emotionen ein. »Der Witz und die sardonische Intelligenz, die in Arnon Grünbergs Prosa aufleuchten, machen die Lektüre zu einem anhaltenden Vergnügen«, urteilte J. M. Coetzee. Arnon Grünberg veröffentlichte auch mehrere Bücher unter dem Pseudonym Marek van der Jagt, u. a. den Roman »De geschiedenis van mijn kaalheid« (2000; dt. »Amor fou«, 2002), für den er erneut den Anton-Wachter-Preis für das beste Debüt erhielt. Der mehrfach ausgezeichnete Roman »Tirza« (2006; dt. 2008) erzählt von einem Vater-Tochter-Drama. Der Protagonist, Jörgen Hofmeester, ein Lektor, der ein bequemes Leben führt, hat das Gefühl, als Vater ausgedient zu haben, keine Rolle mehr zu spielen – und fällt deswegen aus der Rolle. Mit »Bezette gebieden«, (2020; dt. »Besetzte Gebiete«, 2021) legt Grünberg seinen mittlerweile fünfzehnten Roman vor, eine tragikomische Liebesgeschichte voller unerwarteter Wendungen. Psychiater Otto Kadoke, Grünberg-Leser*innen bereits aus dem Roman »Moedervlekken« (2016; dt. »Muttermale«, 2016) bekannt, reist zu einer entfernten Verwandten ins Westjordanland. Anat lebt dort als überzeugte Zionistin, und Otto, Atheist und Antizionist, verliebt sich in sie. Vor dem Hintergrund des Traumas des Zweiten Weltkriegs wirft der Roman Fragen nach der Bedeutung von Freiheit, Gerechtigkeit und Liebe auf.

Arnon Grünberg schreibt außerdem Artikel und Reportagen für verschiedene Zeitschriften; hierfür reiste er u. a. zu den in Afghanistan stationierten niederländischen Truppen sowie zur US-Armee in den Irak. Für sein Gesamtwerk erhielt er 2009 den Constantijn Huygens-prijs und 2010 den Frans Kellendonk-prijs. Seine Bücher wurden in fast dreißig Sprachen übersetzt. Arnon Grünberg lebt in New York.