Portrait Gore Vidal
© Hartwig Klappert

Gore Vidal

USA
Beim ILB zu Gast: 2004

Gore Vidal wurde 1925 in Westpoint, New York, geboren. Sein vollständiger Taufname, Eugene Luther Gore Vidal, verweist auf seinen Großvater, den Senator Thomas Pryor Gore, und damit auf seine Herkunft aus einer der politisch einflussreichsten Familien der USA. Mit 18 Jahren trat er in die Armee ein und diente 1945 als Stabsobermaat auf einem Transportschiff in den Alëuten vor Alaska. Zu dieser Zeit entstand sein erster Roman „Williwaw“, eine an Hemingway und Melville orientierte Seefahrergeschichte, die er 1946 veröffentlichte. Nach diesem ersten Erfolg gab er seine Stellung bei einem Verlag, die er nach der Ausmusterung angenommen hatte, auf. Als freier Schriftsteller zog er 1946 nach Guatemala und brach 1948 zu einer ausgedehnten Europareise auf, in deren Verlauf er mit literarischen Größen wie André Gide persönlich bekannt wurde. Im gleichen Jahr wurde sein Roman „The City and the Pillar“ (dt. „Geschlossener Kreis“, 1986) veröffentlicht, der die Öffentlichkeit schockierte, weil in ihm erstmals ein homosexueller Protagonist agierte, der weder exzentrisch war noch sich in einem zweifelhaften Milieu bewegte, sondern aus der kleinbürgerlichen Mitte der Gesellschaft stammte. Trotz dieses ersten Bestsellers blieb ihm die Anerkennung der Kritik in den Folgejahren verwehrt. Vidal wandte sich daraufhin Detektivgeschichten, Drehbüchern für Film und Fernsehen sowie Broadway-Stücken und Essays zu.

Nicht zuletzt durch die familiäre Nähe zu den Mächtigen des Landes entwickelte Vidal politisches Gespür. Seit Mitte der fünfziger Jahre war sein aktives Engagement in der Politik der Vereinigten Staaten unübersehbar, er kandidierte für politische Ämter und gehörte dem ‚inner circle’ von John F. Kennedy an.

Minutiös recherchierte historische Romane, in denen antike und amerikanische Geschichte und ihre ambivalenten Helden wie Julian, Xerxes, Lincoln und Burr charakterisiert werden, spiegeln eine Facette seines produktiven, in allen Sparten beheimateten Œvres. Eine andere ist die parodistische Komponente, die z. B. im Spiel mit der Travestie, wie in „Myra Breckinridge“ (1968; dt. 1969), deutlich wird oder in „Messiah“ (1954; dt. „Messias“, 1977) und „Live from Golgotha“ (1992; dt. “Golgatha live“, 1993), wenn die christlich-scheinheiligen Fundamente der Gesellschaft infrage gestellt werden. Sein Ruf als bissiger und präziser Kommentator der politischen Verhältnisse in den USA ist legendär. Aktueller Beleg dafür sind seine auch in deutscher Übersetzung erschienenen Essaybände „Perpetual War for Perpetual Peace“ (2002; dt. „Ewiger Krieg für ewigen Frieden“, 2002), „Goat Song“ (2002; dt.  „Bocksgesang“; 2003) und „Imperial America“ (2004; dt. „Die vergessliche Nation. Wie die Amerikaner ihr politisches Gedächtnis verkaufen“, 2004), in denen er vor allem die amerikanische Außenpolitik kritisiert. Nach vielen Jahren in Italien lebte Gore Vidal hauptsächlich wieder in den USA und verstarb am 31. Juli 2012 im Alter von 86 Jahren in Los Angelas.

© internationales literaturfestival berlin

The Season of Comfort
Dutton
New York, 1949

Romulus
Grove Press
New York, 1966

Myra Breckinridge
Blond
London, 1968

A Thirsty Evil: seven short stories
Books for Libraries Press
Freeport, 1970

Betrachtungen auf einem sinkenden Schiff
Kipenheuer & Witsch
Köln, Berlin, 1971
Übersetzung: Eric Burger

Angenehme Reise und Witwen am Nachmittag
Bühnenverlage
Wien, München, 1972
Übersetzung: Eric Burger

Burr
Random House
New York, 1973

Myron
Random House
New York, 1974

1876
Random House
New York, 1976

Matters of Fact and Fiction
Random House
New York, 1977

Kalki
Random House
New York, 1978

Creation
Random House
New York, 1981

The Second American Revolution and Other Essays
Random House
New York, 1982

Duluth
Random House
New York, 1983

Lincoln
Random House
New York, 1984

American Plastic
Hoffmann & Campe
Hamburg, 1986

Dark Green, Bright Red
Ballantine Books
New York, 1986

Ich, Cyrus
Hoffmann & Campe
Hamburg, 1986

Armageddon?
Andre Dutsch
London, 1987

Empire
Random House
New York, 1987

A View from the Diners Club
Andre Dutsch
London, 1991

Live from Golgotha
Andre Dutsch
London, 1992

Screening History
Andre Dutsch
London, 1992

United States: Essays
Random House
New York, 1993

The City and the Pillar
Andre Dutsch
London, 1994

Hollywood
Goldmann
München, 1995
Übersetzung: Günter Panske

Palimpset
Goldmann
München, 1998
Übersetzung: Friedrich Griese

The Smithsonian Institution
Little Brown
London, 1998

Virgin Islands
Abacus
London, 1999

Das ist nicht Amerika
Knaur
München, 2002
Übersetzung: Ulrich Blumenbach

God Bless Amerika oder Die Verbrechen einer Supermacht
Verlag Europäische Ideen
Berlin, 2000

Das goldene Zeitalter
Knaus
München, 2001
Übersetzung: Silvia Moravetz

Ewiger Krieg für ewigen Frieden
Europäische Verlagsanstalt
Hamburg, 2002
Übersetzung: Bernhard Jendricke, Barbara Steckhan

Lincoln
Goldmann
München, 2002
Übersetzung: Christian Spiel, Rudolf Hermstein

Bocksgesang
Europäische Verlagsanstalt
Hamburg, 2003
Übersetzung: Bernhard Jendricke, Rita Seuß

Amerikas Traum vom Fliegen
Müller & Nerding
München, 2003

Inventing a Nation
Yale University Press
New Haven, 2003

Die vergessliche Nation
Europäische Verlagsanstalt
Hamburg, 2004
Übersetzung: Bernhard Jendricke

Conversations with Gore Vidal (Ed. Richard Peabody)
University Press of Mississippi
Jackson, 2005

Point to Point Navigation: A Memoir 1964 to 2006
Doubleday
New York, 2006

Clouds and Eclipses: The Collected Short Stories
Carroll & Graf
New York, 2006

Übersetzer: Gottfried Beutel, Ulrich Blumenbach, Eric Burger, Stefan Dornuf, Dieter Dörr, Friedrich Griese, Gesa Gross, Rudolf Hermstein, Bernhard Jendricke, Barbara Jung, Peter Kobbe, Gabriele Kocklemus-Jochum, Kollektiv Drucker-Reif, Helmut Kossodo, Silvia Morawetz, Günter Panske, Rita Seuß, Christian Spiel, Barbara Steckhan, Kurt Wagenseil, Philipp Weiler