23. ilb 06. – 16.09.2023

Georges-Arthur Goldschmidt

Georges-Arthur Goldschmidt wurde 1928 als Jürgen Arthur Goldschmidt in Reinbek bei Hamburg geboren. Wegen ihrer jüdischen Wurzeln wurde die Familie, obschon im 19. Jahrhundert zum Protestantismus konvertiert, von den Nazis verfolgt. 1938 schickten Goldschmidts Eltern ihn und seinen älteren Bruder zunächst nach Italien, später nach Frankreich. Georges-Arthur Goldschmidt besuchte ein Internat in den französischen Alpen und wurde während der deutschen Besatzung auf einem Bauernhof versteckt gehalten. Nach dem Krieg nahm er die französische Staatsbürgerschaft an. Er studierte Germanistik an der Sorbonne und war bis zu seiner Pensionierung als Gymnasiallehrer tätig. Seit den 1960er-Jahren tritt er zudem als Schriftsteller, Literaturkritiker und Übersetzer in Erscheinung.

In seinen autobiografischen Werken wie »Die Absonderung« (1991), »Die Aussetzung« (1996) und »Die Befreiung« (2007) umkreiste er immer wieder die Erlebnisse seiner Kindheit und Jugend. »Erst das Schreiben hat mich erlöst«, so Goldschmidt 2018 in einem Interview mit dem »ZEITmagazin«. »Ich bin jetzt über neunzig und komme doch immer wieder auf diese Jahre zurück, das lässt mich nicht los. Es ist die Zeit in meinem Leben, als ich anfing, die Welt zu begreifen, und mir zugleich alles genommen wurde. Verglichen damit ist mein Leben danach ein ruhiger Fluss.« Zuletzt erschienen ist »Vom Nachexil« (2020), in dem sich Goldschmidt erneut der prägendsten all seiner Erfahrungen zuwendet. »Wer einmal ins Exil getrieben wurde, kommt lebenslang nicht mehr davon ab«, so lautet der erste Satz des Buches, in dem er sprachlich präzise und lakonisch, durchsetzt mit reflektierenden Passagen, von seinen Erinnerungen erzählt. »In dem zwar schmalen, aber großartigen Band steckt eine ganze Epoche deutsch-jüdischen Lebens«, urteilte Deutschlandfunk Kultur. »Ein anrührendes, mitreißendes – ein schlicht wundervolles Buch.«

Als Übersetzer übertrug Georges-Arthur Goldschmidt unter anderem Werke von Georg Büchner, Walter Benjamin und Peter Handke ins Französische. In seinem literaturwissenschaftlich-essayistischen Werk widmete er sich beispielsweise der Literatur Franz Kafkas und der Analyse der deutschen Sprache vor dem Hintergrund der Psychoanalyse. Georges-Arthur Goldschmidt wurde für sein Schaffen vielfach ausgezeichnet, so mit dem Joseph-Breitbach-Preis 2005. »Ein literarischer Grenzgänger, der das Leben und Schreiben in zwei Ländern und Sprachen in eine eigene poetische Landschaft verwandelt hat«, hieß es in der Begründung der Jury. 2015 erhielt er den Sigmund-Freud-Kulturpreis; 2017 wurde er zum Ehrendoktor der Universität Bern ernannt. Georges-Arthur Goldschmidt lebt in Paris.