23. ilb 06. – 16.09.2023

Giulia Caminito

Giulia Caminito wurde 1988 in Rom geboren und wuchs in Anguillara Sabazia am Lago di Bracciano auf. Sie studierte Politische Philosophie und debütierte 2016 mit dem Roman »La grande A« [Ü: Das große A], der lose auf Giulia Caminitos eigener Familiengeschichte basiert und während der italienischen Kolonialzeit spielt. Das titelgebende A steht dabei einerseits für Afrika, andererseits für Adi, eine italienische Abenteurerin, die im Hafen der eritreischen Stadt Assab eine Bar eröffnet hat. Ihre Tochter Giada, Erzählerin des Romans, wurde bei Verwandten in Mailand zurückgelassen und kommt erst als Jugendliche nach Afrika.

Metaphernreich, lebendig und ohne jeglichen Exotismus lässt Giulia Caminito ihre Hauptfigur diese für sie anfangs noch sehr fremde Welt schildern. Giada verliebt sich, heiratet, bekommt ein Kind, trennt sich wieder. Mit dem Ende des Kolonialismus wird die Rückkehr ins Heimatland unvermeidlich. Der Roman wurde in Italien mehrfach ausgezeichnet.

Es folgten die Kurzgeschichtensammlung »Guardavamo gli altri ballare il tango« [2017; Ü: Wir haben anderen beim Tangotanzen zugesehen] und das Märchen »La ballerina e il marinaio« [2018; Ü: Die Tänzerin und der Matrose]. 2019 erschien der Roman »Un giorno verrà« [dt. »Ein Tag wird kommen«, 2020].

Zwei ungleiche Brüder stehen im Mittelpunkt des Geschehens: Lupo ist ein überzeugter Anarchist, Nicola eher ängstlich und zaudernd. Der Roman verknüpft die dramatische Geschichte von Lupos und Nicolas Familie und ihres Dorfs mit dem Weltgeschehen zu Beginn des 20. Jahrhunderts. »Mit ihrer bildhaften Sprache und den lyrischen Vergleichen setzt Giulia Caminito einen eigenen Akzent«, urteilte die »Süddeutsche Zeitung«.

Caminitos dritter Roman »L’acqua del lago non è mai dolce« [2021; dt. »Das Wasser des Sees ist niemals süß«, 2022] erzählt von einer Familie in prekären Verhältnissen. Anfang der 1990er-Jahre lebt Gaia mit ihren Eltern und ihren Geschwistern in einem zwanzig Quadratmeter großen Zimmer am Stadtrand von Rom. Der tatkräftigen Mutter gelingt es, weiter außerhalb der Stadt eine Sozialwohnung zu finden. Überzeugt, dass Bildung der einzige Weg zu einer besseren Zukunft für ihre Tochter ist, schickt sie Gaia auf eine gute Schule in Rom und hält sie zum Lernen an. Doch trotz ihrer schulischen Erfolge – sie besucht schließlich sogar die Universität – bleibt Gaia eine Außenseiterin. Und auch die Hoffnung auf einen sozialen Aufstieg erfüllt sich letztlich nicht. Mit der Zeit wandelt sich ihre Verletzlichkeit in Wut – mit verheerenden Folgen.

Der Roman stand 2021 auf der Shortlist des italienischen Literaturpreises Premio Strega, gewann den alternativen Premio Strega Off sowie den renommierten Publikumspreis Premio Campiello und avancierte in Italien zum Bestseller. Er wurde in über zwanzig Sprachen übersetzt.

Neben ihrer Tätigkeit als Schriftstellerin arbeitet Giulia Caminito auch als Herausgeberin und Lektorin. Sie lebt in Rom.