23. ilb 06. – 16.09.2023

Roxane Gay

Roxane Gay wurde 1974 in Omaha, USA, als Tochter haitianischer Eltern geboren. Sie absolvierte ein Masterstudium mit dem Schwerpunkt Creative Writing an der University of Nebraska–Lincoln und promovierte im Fachbereich Rhetoric and Technical Communication an der Michigan Technological University. Seitdem lehrte sie an verschiedenen Universitäten; zuletzt übernahm sie eine Gastprofessur in Yale.

2011 legte sie mit der Kurzgeschichtensammlung »Ayiti« ihr literarisches Debüt vor. Übergreifende Themen des Bandes sind Haiti als Land mit einer komplexen Geschichte und das Leben der haitianischen Diaspora. Es folgte die Essaysammlung »Bad Feminist« (2014; dt. 2019), dessen Titel auf Gays Einstellung anspielt, »lieber eine schlechte als gar keine Feministin« zu sein, also auch beim Verfolgen feministischer Ziele unvernünftig sein und Fehler machen zu dürfen. Scharfsinnig und humorvoll behandelt sie in den teils sehr persönlich gefärbten Essays auch die Themen Politik, Gender, Sexualität und Rassismus. Ihr Debütroman »An Untamed State« (2014; Ü: Ein ungezähmter Staat/Zustand) erzählt von Mireille, erwachsene Tochter eines wohlhabenden Haitianers, die gekidnappt wird. Die Entführer, voller Wut angesichts der wirtschaftlichen Ungleichheit in ihrem Land, fordern ein Lösegeld in siebenstelliger Höhe. Doch der Vater weigert sich zu zahlen. Dreizehn Tage lang bleibt Mireille ihren Entführern ausgeliefert. »Erzählt in einer Sprache, die sparsam und schonungslos sexualisierte und seelische Gewalt schildert, ist Mireilles Geschichte ein erschütternder Albtraum, aber auch eine ergreifende und überraschend hoffnungsvolle Geschichte«, urteilte »The Guardian«. 2017 erschien die Kurzgeschichtensammlung »Difficult Women« (dt. »Schwierige Frauen«, 2021). Psychologisch klug und mit trockenem Humor erzählt Gay aus dem Leben ihrer Protagonistinnen, wobei sexuelle Beziehungen und sexualisierte Gewalt stets wiederkehrende Themen sind. In ihrem Memoir »Hunger« (2017; dt. 2019) geht Gay ihrem Verhältnis zu ihrem eigenen Körper nach, das von einem traumatischen Ereignis geprägt wurde – einer Vergewaltigung im frühen Jugendalter. Mit schmerzhafter Ehrlichkeit beschreibt Gay die Gefühle der Scham und Schuld, die sie lange Zeit begleiteten. Essen wurde für sie zu einer Sucht, ihr immer schwerer werdender Körper übernahm die Funktion eines Schutzwalls. Bei der Verarbeitung des Erlebten half ihr vor allem das Schreiben, wie sie in einem Interview mit der »Zeit« betonte: »Das Schreiben war für mich ein Ausweg. Durch das Schreiben konnte ich mich ausdrücken, selbst in Momenten, in denen mir gegenüber anderen die Sprache fehlte. Auf dem Papier hatte ich wieder eine Beziehung zu mir.«

Die Autorin lebt in Indiana und Los Angeles.