23. ilb 06. – 16.09.2023

Franz Suess

Franz Suess wurde 1961 in Linz geboren. Er studierte Malerei und Grafik an der Universität für künstlerische und industrielle Gestaltung Linz und besuchte die Meisterklasse für Keramik. Danach gestaltete er Postkarten-Comics und veröffentlichte Comics, Fotos und satirische Collagen auf der Internet-Plattform für Satire und Kunst »Raketa«. Nachdem er sich 2010 an einem 24-Stunden-Zeichnen im Rahmen der Veranstaltung »Comics-gegen-rechts« beteiligt hatte, reifte in ihm der Wunsch nach einer größeren Comic-Arbeit. Parallel besuchte er einen Zeichenkurs bei André Breinbauer, durch den er vor allem lernte, den Aufwand einzuschätzen, den ein Comic erfordert.

Zu seinem ersten Buch »1160, Ottakring« ließ sich Suess durch seinen Wohnbezirk in Wien inspirieren. Er zeigt darin vier Samstage im Leben eines Mannes, der keine Verpflichtungen hat und seine Tage und Nächte mit Einkaufen, Spazierengehen, Radfahren und Fernsehen verbringt. »Ursprünglich wollte ich in dem Comic nur eine Person einen Tag lang begleiten – und zwar an einem Tag, an dem nichts passiert, jedenfalls nichts Bedeutendes. Aus einem wurden dann vier – vier Tage in vier Jahreszeiten.« In »Isopoda« (2016) greift Suess das Thema der Freudʼschen Psychoanalyse auf. Nach der Trennung von ihrem Freund zieht Tanja in ein schlechteres Viertel in eine triste Wohnung und versucht einen Neuanfang. Während ihr Exfreund Trost bei Bier und Bergwanderungen sucht, verliert sich Tanja inmitten der Umzugskartons in der Vergangenheit und in Erinnerungen an ihr bisheriges Leben. Ihre imaginierte, strenge Mutter wird dabei zum »Über-Ich«, in Tanjas Träumen quält sie das unfassbare »Es«, und sie erinnert sich an einen gewissen Onkel namens Paul, was auf einen Missbrauch hindeutet, der jedoch letztlich unausgesprochen bleibt. Die Vergangenheit kriecht also aus allen Ritzen wie die titelgebenden Insekten, die depressive Grundstimmung speist sich aus dunklen Zeichnungen mit schwermütigen Gesichtern. Seine jüngste Graphic Novel »Paul Zwei« (2019), mit der Suess Finalist beim Comicbuchpreis der Leibinger Stiftung Stuttgart war, handelt von einer Geschlechtstransformation: Paul verbringt das erste Mal den Sommer in der Großstadt, zieht in eine WG, genießt die Freiheit und hofft auf sexuelle Abenteuer. Aber seine Erwartungen bleiben unerfüllt. Schließlich beginnt nach einem enttäuschenden Date die Verwandlung – sein Penis schrumpft, stülpt sich nach innen, und Paul gelangt zu einer neuen Identität. Suess schildert die beklemmende Empfindungswelt von Paul, der sich fremd im eigenen Körper fühlt, mit feinen Bleistiftstrichen in Grau und Schwarz.

Suess wurde für seine Graphic Novels und Kinderbücher u. a. mit dem Fumetto-Wettbewerbspreis, dem österreichischen Outstanding Artist Award und dem Romulus-Candea-Preis ausgezeichnet. Er lebt und arbeitet in Wien.