22. ilb 07. - 17.09.2022

María José Ferrada

María José Ferrada wurde 1977 in Temuco, Chile, geboren. Sie absolvierte einen Master in Asien-Pazifik-Studien an der Universität Barcelona und wurde als Autorin zahlreicher Kinder- und Jugendbücher bekannt, die teils in mehrere Sprachen übersetzt wurden. Ihre ersten Gedichte und Geschichten verfasste sie für ihren fünfzehn Jahre jüngeren Bruder; ihr erstes Buch »12 historias minúsculas de la tierra, el cielo y el mar« (2005; Ü: 12 kleine Geschichten von der Erde, dem Himmel und dem Meer) veröffentlichte sie noch im Eigenverlag. Seit 2010 erscheinen ihre Bücher in spanischen und chilenischen Verlagen.

Besonders hervorzuheben ist die vielfach ausgezeichnete Gedichtsammlung »Niños« (2013; Ü: Kinder). Den Minderjährigen unter den Opfern politischer Gewalt und Unterdrückung während der chilenischen Diktatur gewidmet, umkreisen die Gedichte die Hoffnungen und Träume der Kinder und Jugendlichen, beschreiben Details aus ihrem Leben, machen sie als Individuen greifbar. Das Buch weist einen Weg auf, schmerzhafte Themen auch für junge Leser*innen zu verhandeln, und spiegelt die Überzeugung der Autorin wider, dass auch Kinder und Jugendliche Literatur brauchen, um historische und gesellschaftliche Ereignisse und Entwicklungen zu reflektieren. »Niños« wurde u. a. mit dem Premio Academia der Academia Chilena de la Lengua für das beste in Chile veröffentlichte literarische Werk sowie dem Literaturpreis der Stadt Santiago in der Kategorie Jugendliteratur ausgezeichnet. 2017 veröffentlichte María José Ferrada mit »Kramp« (dt. 2021) ihren ersten Roman für Erwachsene. Als Mädchen wird M, die Protagonistin, von ihrem Vater D, der als Vertreter für die Eisenwarenmarke Kramp arbeitet, auf seine Verkaufstouren über die Dörfer mitgenommen. Abenteuerlich geht es da zu, inklusive Zigaretten, Whiskey und Verkaufsprovision in Form von Spielzeug oder Umschlägen mit Geld. Währenddessen scheint Ms Mutter, umhüllt von einer rätselhaften Traurigkeit, in ihrer eigenen Welt zu leben. Ms kluger, aber eben noch kindlicher Blick auf das Geschehen lässt für die Leser*innen erst langsam hervortreten, worum es in diesem Roman auch geht: um Chile zu Zeiten der Diktatur mit all ihren Grausamkeiten. M muss erkennen, dass sie nur eine Nebenfigur einer größeren Geschichte ist. Geschrieben in einer »präzisen, prägnanten Sprache, ohne Schnörkel oder Ausschmückungen« (»El Mundo«), wurde der Roman mit drei der wichtigsten chilenischen Literaturpreise ausgezeichnet: dem Preis für den besten Roman des Círculo de Críticos de Arte, dem Preis für das beste veröffentlichte literarische Werk in der Kategorie Roman des chilenischen Kulturministeriums sowie mit dem Literaturpreis der Stadt Santiago.

Die Autorin lebt in Santiago de Chile.