23. ilb 06. – 16.09.2023

Feng Li

Feng Li wurde 1963 in Shenyang, im Nordosten der Volksrepublik China, geboren. Sie studierte Chinesische Literaturwissenschaft an der Liaoning Universität in Shenyang. Von 1985 bis 1990 arbeitete sie als Journalistin für die Lhasa-Abendzeitung in Tibet. Nach der Rückkehr nach China war sie sieben Jahre lang wissenschaftliche Mitarbeiterin mit dem Schwerpunkt Theatertheorie am Liaoning Forschungsinstitut für Kunst. Außerdem produzierte sie zwischen 1995 und 1998 als Regisseurin für das Frauenprogramm „Half The Sky“ beim CCTV (Chinese Central Television) dokumentarische Porträts über Frauen. Anschließend war sie zwei Jahre lang als Lektorin und Übersetzerin für das Chunfeng Literature Publishing House tätig. In diesem Zeitraum übersetzte sie aus dem Deutschen zehn Kinderbücher von Janosch, darunter „Oh, wie schön ist Panama“ und „Ich sag, du bist ein Bär“. 1999 erschienen sie in der chinesischen Übersetzung.

Als Schriftstellerin hat sie selbst mit großem Erfolg sieben Bücher veröffentlicht, die bisher nicht in westliche Sprachen übersetzt worden sind. Mit dem Schreiben begann sie in den achtziger Jahren. Ihre erste Erzählung entstand 1987 während ihres Aufenthaltes in Tibet. Feng Li publiziert ihre Erzählungen und Romane unter dem Pseudonym Pipi, nach Astrid Lindgrens Kinderheldin Pipi Langstrumpf. Mit unverkennbarem Stil und mit leiser Ironie erzählt sie vom Alltag in China – von der individuellen Suche nach dem Glück, von problematischen Beziehungen oder von den Schwierigkeiten bei der Wohnungsvergabe –, ohne sich dem derzeit unter jungen Schriftstellern populären Trend zur sogenannten ‚Verwestlichung’ in der chinesischen Literatur anzuschließen. In ihrer Prosa sind allerdings Einflüsse aus jener Zeit des Wandels spürbar, in der sich China verstärkt dem Ziel einer wirtschaftlichen und kulturellen Öffnung des Landes zuwandte.

Besonders erfolgreich waren die beiden Erzählbände „Quan Shijie Don Ba Sui“ (2000; Ü: Wir sind alle acht Jahre alt) und „Weixian De Richang Shenghuo“ (2000; Ü: Gefährlicher Alltag). 1999 wurde ihr Roman „Kewang Jiqing“ (1998; Ü: Durst nach Leidenschaft) als ‚national herausragendes Buch’ ausgezeichnet. Das geordnete Leben eines Ehepaars im mittleren Alter gerät aus der Bahn, als sich der Mann in eine andere Frau verliebt. Vor dem Hintergrund des Strebens nach Selbstverwirklichung und Erfüllung in der Liebe entspinnt sich eine Tragödie, in deren Zentrum die Frage nach Zusammengehörigkeit und dem Stellenwert der Familie gestellt wird. 2003 erschienen Prosastücke unter dem Titel „Chumai Yangguang“ (Ü: Sonnenschein zu verkaufen) und ihre Memoiren „Bu Xiang Zhangda“ (Ü: Ich möchte nicht aufwachsen). Feng Li war 2004 Stipendiatin des DAAD in Berlin. Sie lebt in Beijing.

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