Sherko Fatah

Portrait Sherko Fatah
© Hartwig Klappert

Sherko Fatah wurde 1964 in Ost-Berlin als Sohn eines irakischen Kurden und einer Deutschen geboren. 1975 siedelte die Familie nach West-Berlin über. Dort studierte Fatah Philosophie und Kunstgeschichte. Mehrfach besuchte er den Irak.

2001 erschien sein Debüt »Im Grenzland«, das mit dem aspekte-Literaturpreis ausgezeichnet wurde. Der Roman spielt im Herkunftsland seines Vaters – »Im Grenzland« des Dreiländerecks Irak, Iran und Türkei, einem Territorium mit erheblichen Spannungen – und erzählt von einem Schmuggler, der sich durch die vom Krieg entstellte, verminte Landschaft bewegt, die nur von Freischärlern und Grenzsoldaten bevölkert zu sein scheint. Es ist eine Geschichte von Diktatur, Krieg, Folter, Willkür, von der Wüste und einer anderen Auffassung von Zeit. Satz für Satz entwirft der Erzähler ein Bild der Fremde, die fern und archaisch bleibt und dabei nicht romantisiert oder idealisiert wird. Die Differenz zwischen Heimat und Fremde ist nicht aufzuheben: »Es wird wohl selbst dem geneigten Leser nicht ganz leicht fallen, in diese fremde und fremd belassene Welt hineinzufinden«, so der Autor. Seine Prosa zeichnet sich durch ihre Bildkraft aus, ihre unerbittliche Strenge und eine bewusst schmucklose, fast spröde Erzählweise, durch die zugleich eine subtile Spannung entsteht. Auch in der Erzählung »Donnie« (2002) und dem Roman »Onkelchen« (2004) thematisiert er Entwurzelung, Exil und Gewalt. »Das dunkle Schiff« (2008) erzählt die Geschichte von Kerim, einem irakischen Kurden, der in die Fänge von islamistischen Gotteskriegern gerät, nachdem sein Vater von Anhängern Saddam Husseins ermordet worden ist. Um der brutalen Realität im irakischen Grenzgebiet zu entkommen, nimmt er die gefährliche Flucht nach Deutschland auf sich, wo er sich vergebens darum bemüht, seine Vergangenheit abzustreifen und ein neues Leben zu beginnen. »Das dunkle Schiff«, ein Abenteuerroman mit traditionellen Elementen des Bildungsromans, wurde für den Preis der Leipziger Buchmesse 2008 nominiert. Im Roman »Ein weißes Land« (2011) wird anhand der Lebensgeschichte eines jungen Irakers von der Beziehung zwischen Nazi-Deutschland und der arabischen Welt erzählt. In »Der letzte Ort« (2014) werden ein Deutscher und sein Übersetzer im Irak von einer Terrormiliz entführt. Fatah nahm mit dieser Geschichte nicht nur aktuelle, reale Ereignisse vorweg, sondern untersucht auch die Frage, wie eine Entführung den Menschen verändert. Sein jüngster, dokumentarischer Roman »Schwarzer September« (2019) geht mit einem Blick in die Vergangenheit der Entstehung der Konflikte im Nahen Osten auf den Grund und zeigt ihre Auswirkungen, auch auf das heutige Westeuropa.

Sherko Fatah erhielt u. a. den Großen Kunstpreis Berlin der Akademie der Künste und den Adelbert-von-Chamisso-Preis. Er lebt in Berlin.