Athena Farrokhzad

Portrait Athena Farrokhzad
© Carla Orrego Veliz

Die Lyrikerin, Dramatikerin, Übersetzerin und Literaturkritikerin Athena Farrokhzad wurde 1983 in Teheran geboren, wuchs im schwedischen Göteborg auf und lebt heute in Stockholm.

2013 veröffentlichte sie ihr Langgedicht »Vitsvit« (dt. »Bleiweiß«, 2019), eine »Geschichtserzählung«, wie die Autorin ihr Debüt gleichzeitig nannte, das in etwa 15 Sprachen übersetzt und mehrfach für die Bühne adaptiert wurde. Farrokhzad thematisiert die Themen Gewalt, Sprache, Sehnsucht und Erbe im Kontext von Revolution, Krieg, Migration und Rassismus in ausdrucksstarken, mehrdeutigen poetischen Bildern. Im Wechsel lässt sie eine Mutter, eine Großmutter, einen Vater, einen Onkel und einen Bruder zu Wort kommen, die ihre eigene Sichtweise in sprachlich vielfältiger Weise formulieren. Die Tochter der Familie indes schweigt, und verknüpft die verschiedenen Stimmen zu einem polyfonen Werk, aus dem sich Krieg, eine daraus resultierende Sprachverrohung sowie Orientierungslosigkeit als dominierende Emigrationserfahrungen herauskristallisieren: »Sprachlos bist du gekommen sprachlos sollst du gehen«. Farrokhzad zweites Buch »Trado« (2016), das sie zusammen mit der rumänischen Dichterin Svetlana Cârstean verfasste, wurde mit dem Preis des Rumänischen Kulturradios ausgezeichnet. Im Auftrag eines slowenischen Poesiefestivals in Zusammenarbeit mit der Berliner Allianz Kulturstiftung schrieb sie 2018 ihren »Brev till Europa« (Ü: Brief an Europa). In ihrem jüngsten Gedichtband »I rörelse« (2019; Ü: In Bewegung) reflektiert sie mit einer rhythmisierten Sprache voll Pathos und trauriger Ironie verschiedene politische und persönliche Ereignisse zwischen Individuum und Kollektiv, zwischen Tradition und Erneuerung.

Farrokhzad hat außerdem zusammen mit Linn Hansén eine Anthologie queerer Lyrik (»Omslag«, 2009) und zusammen mit Kristofer Folkhammar eine Einführung in die schwedische Lyrik für junge Erwachsene herausgegeben (»Berör och förstör«, 2019). Sie lehrt Lyrik und Theorie an der BiskopsArnö-Schule für kreatives Schreiben, verfasst Literaturkritiken für »Dagens Nyheter« und hat Autor*innen wie Marguerite Duras, Juliana Spahr, Audre Lorde und Adrienne Rich ins Schwedische übersetzt. Ihre Theaterstücke wurden in zahlreichen Theatern der nordischen Länder aufgeführt. 2021 ist sie zu Gast beim Berliner Künstlerprogramm des DAAD.