22. ilb 07. - 17.09.2022

Eva Sichelschmidt

Eva Sichelschmidt, geboren 1970 in Wuppertal, studierte Modedesign in Berlin und war in den neunziger Jahren als Kostümbildnerin für Film und Oper tätig. Seit 1997 ist sie selbstständige Unternehmerin und Inhaberin von »Whisky & Cigars« in Berlin-Mitte, wo sie auch einen literarischen Salon mit Lesungen, Gesprächen und Vorträgen u. a. mit Katja Lange-Müller, Martin Mosebach und dem mittlerweile verstorbenen Alan Sillitoe ausrichtete. 2013 schrieb sie die Biografie von Fiona Bennett »Vom Locken der Federn«, in der die bekannte Hutdesignerin von 25 Jahren beruflicher Tätigkeit, zahlreichen Begegnungen mit Berühmtheiten sowie aus ihrem unkonventionellen Leben erzählt.

Eva Sichelschmidts erster Roman »Die Ruhe weg« (2017) zeigt die Krise eines Paares in mittleren Jahren. Die 49-jährige Marlies, die einst nach Berlin zog, um das Leben in vollen Zügen genießen, fühlt sich in ihrer mittlerweile verspießerten und freudlosen Umgebung unwohl. Ihr Mann, der früher in einer Rockband spielte, muss mittlerweile sein Geld als Aushilfsgitarrist in einer Musicalproduktion verdienen. Als ein Seitensprung mit einer Bruchlandung endet, beschließt Marlies, alles hinter sich zu lassen und in Italien einen Neuanfang zu wagen. Sichelschmidts Buch ist mehr als nur die Beschreibung einer Krise in mittleren Jahren. Pointiert und amüsant stellt es gleichzeitig den Biotopen der in den neunziger Jahren noch jungen und innovativen Szeneviertel von Berlin eine ungeschönte Diagnose. Die Kreativen, die damals hierher zogen, sind mittlerweile in kleinbürgerlichen Konflikten stecken geblieben. Die Kritik lobte u. a. auch diesen Aspekt des Romans: »Das Buch hat das Potenzial zur Bibel für die Latte-macchiato-Mütter vom Kollwitzplatz«, schrieb beispielsweise Claudia von Duehren (»BZ«).

Ihr Roman »Bis wieder einer weint« handelt von Wilhelm und Inga. Die beiden sind ein Traumpaar, als sie sich in den 1950er Jahren kennenlernen, doch kurz nach der Geburt des zweiten Kindes stirbt Inga an Leukämie. Die jüngere Tochter wird zu den Großeltern gegeben, die ältere bleibt beim Vater. Der baut sich, um familiären und freikirchlichen Zwängen zu entfliehen, ein Haus, kilometerweit vom nächsten Grundstück. »Eine Ruhrgebietssaga, der trotz des Panaromablicks das Kunststück gelingt, sehr nah an ihre Figuren heranzurücken.«[WAZ]

Eva Sichelschmidt ging diversen Tätigkeiten in Kunst, Literatur und Mode nach. Sie lebt in Berlin und Rom.