23. ilb 06. – 16.09.2023

Esi Edugyan

Esi Edugyan wurde 1977 im kanadischen Calgary als Tochter von Einwanderern aus Ghana geboren. Ab 1996 studierte sie zunächst Journalistik und wechselte dann zu Anglistik und Kreativem Schreiben an der University of Victoria und der Johns Hopkins University.

Ihre Magisterarbeit war ihre erste Sammlung von Kurzgeschichten unter dem Titel »The Bone House and Other Stories« (2001; dt. »Diese Fremden«, 2007). Charakteristisch sind der sparsame Einsatz literarischer Mittel und der Blick für scheinbar nebensächliche Details, die im Handlungsverlauf ihre schicksalhafte Bedeutung entfalten. In ihrem Debütroman »The Second Life of Samuel Tyne« (2004) beschreibt Edugyan das »zweite Leben« eines Ghanaers, der nach Kanada auswandert. 2006/07 war sie Writer in Residence im Schloss Solitude in Stuttgart. Dort lernte sie Deutsch und begann ihren zweiten Roman »Half-Blood Blues« (2011; dt. »Spielʼs noch einmal«) über das Schicksal zweier Jazzmusiker im »Dritten Reich«: Sidney »Sid« Griffiths, ein Bassist, spielt mit dem Trompeter Hieronymus »Hiero« Falk, Sohn einer Deutschen und eines afrikanischen Vaters, in den späten dreißiger Jahren in Kellerkneipen die verbotene »schwarze« Musik. Einen Ausweg aus der bedrohlichen Situation verspricht die Amerikanerin Delilah, die die Band nach Paris holen will, um eine Schallplatte mit Louis Armstrong einzuspielen. Doch Sid wird vom Neid auf den talentierteren Hiero getrieben, der von der nationalsozialistischen Ideologie als »Rheinland-Bastard« verunglimpft und 1940 von der Gestapo verhaftet wird. Seine Musik jedoch überlebt, und ein halbes Jahrhundert später entdecken Fans seine vergessene Geschichte. »Half-Blood Blues« stand 2011 u. a. auf der Shortlist des Man Booker Prize und erhielt den renommierten kanadischen Scotiabank Giller Prize. »Dieser Roman verspricht, die schwarze Literatur in eine völlig neue Richtung zu führen« (»The Globe and Mail«). Die Handlung ihres jüngsten Romans »Washington Black« (2018) beginnt auf einer Zuckerplantage auf dem Barbados des 19. Jahrhunderts, kurz vor Abschaffung der Sklaverei in der britischen Kolonie. Erzählt wird aus der Perspektive des elfjährigen Sklaven Washington Black. Ein fremder Besucher auf der Farm namens Titch wird zur zentralen Figur in Washingtons Leben, das von nun an von Flucht, der Verfolgung durch einen Kopfgeldjäger und Abenteuern zwischen Kanada, London und Marokko geprägt ist. Edugyan verdichtet das bekannte historische Narrativ zu einer individuellen Geschichte im Spannungsfeld zwischen den Privilegierten und Entrechteten jener Zeit. Der Roman stand u. a. auf der Shortlist des Booker Prize 2018, wurde mit dem Giller Prize ausgezeichnet und von »New York Times«, »Washington Post« u. a. zu einem der besten Romane 2018 gekürt.
Edugyans Bücher wurden u. a. ins Deutsche, Niederländische und Ungarische übersetzt. Sie lebt in Victoria, Kanada und lehrt dort Literarisches Schreiben an der Universität.