23. ilb 06. – 16.09.2023

Louise Erdrich

Die amerikanische Schriftstellerin Louise Erdrich wurde 1954 in Little Falls, Minnesota, geboren. Ihr Großvater mütterlicherseits war Vorsitzender des Stammesrates der Turtle Mountain Chippewa in North Dakota, ihr Vater Deutsch-Amerikaner. Sie wuchs in North Dakota am Rande eines Indianerreservats auf. Von 1976 bis 1979 studierte sie Anthropologie an der Johns Hopkins University und wurde nach diversen Tätigkeiten Redakteurin der Zeitschrift »Circle«.

In ihren schriftstellerischen Texten verarbeitet sie reale und fiktive Geschichten, die in der Familie an sie weitergegeben wurden, sowie eigene Erfahrungen im ambivalenten Spannungsfeld zwischen Freiheit und Unterwerfung, zwischen Naturverbundenheit und Kultur. Oft spielt die Handlung in einem fiktiven Reservat und thematisiert die Beziehungen der Ureinwohner*innen untereinander aber auch die zwischen Indigenen und Menschen europäischer Herkunft. Dabei wartet sie zumeist mit einem reichen Arsenal an Figuren auf und zeichnet sie komplex und vielschichtig. Sie hat fast dreißig Bücher geschrieben, darunter Belletristik, Sachbücher, Gedichte und Kinderbücher. 1979 schrieb sie die Kurzgeschichte »The Worldʼs Greatest Fisherman« über eine geschiedene Ojibwe-Frau, die an Unterkühlung stirbt, was ihre Verwandten zur Beerdigung in ein fiktives Reservat in North Dakota führt. Mit diesem Text gewann sie den Nelson Algren Short Fiction Prize 1982, er wurde das erste Kapitel ihres Debütromans »Love Medicine« (1984; dt. »Liebeszauber«, 1986), mit dem sie den National Book Critics Circle Award gewann. Im selben Jahr veröffentlichte Erdrich auch ihre erste Gedichtsammlung »Jacklight«, die Elemente von Ojibwe-Mythen enthält. »The Antelope Wife« (1998; dt. »Die Antilopenfrau«, 2001), Erdrichs erster Roman nach ihrer Scheidung von dem Anthropologen Michael Dorris, mit dem sie auch eine künstlerische Partnerschaft verbunden hatte, bricht erstmals mit der Kontinuität vorangegangener Bücher. Er handelt von einem indianischen Findelkind, das nach dem grausamen Überfall auf seine Familie in einer amerikanischen Familie aufwächst. Der Roman »The Master Butchers Singing Club« (1998; dt. »Der Club der singenden Metzger«, 2001) über zwei Familien, die nach dem Ersten Weltkrieg aus Deutschland in die USA auswandern, wurde 2019 von Uli Edel verfilmt. In ihrem jüngsten Roman »The Night Watchman« (2020; dt. »Der Nachtwächter«, 2021) erzählt Erdrich die Geschichte ihres Großvaters, der half, den Protest gegen die Enteignung der amerikanischen Ureinwohner*innen vom ländlichen North Dakota bis nach Washington zu tragen.

Louise Erdrich wurden für ihr literarisches Schaffen zahlreiche Preise verliehen, darunter der Anisfield-Wolf Book Award, der National Book Award for Fiction und der Prize for American Fiction des National Book Festival der Library of Congress. »Der Nachtwächter« wurde 2021 mit dem Pulitzer Preis ausgezeichnet. Sie lebt in Minneapolis, wo sie eine Buchhandlung betreibt, die sich auch auf die Literatur amerikanischer Ureinwohner*innen spezialisiert hat.