Eliot Weinberger

Portrait Eliot Weinberger
Eliot Weinberger [© Ali Ghandtschi]

Eliot Weinberger wurde 1949 in New York City geboren, wo er auch heute lebt. Er ist Essayist, Herausgeber, politischer Kommentator und Übersetzer aus dem Spanischen und Chinesischen. Bereits mit neunzehn Jahren veröffentlichte er seinen ersten Band mit Übersetzungen von Gedichten des späteren Nobelpreisträgers Octavio Paz. Seit 1970 folgten zahlreiche Übersetzungen [u. a. Octavio Paz, Jorge Luis Borges, Vicente Huidobro, Bei Dao]. 2000 zeichnete ihn die mexikanische Regierung als ersten US-amerikanischen Autor mit dem Order of the Aztec Eagle aus. Weinberger edierte Anthologien amerikanischer und chinesischer Lyrik und war Herausgeber der Reihe »Calligrams«, die von der Chinese University of Hong Kong Press und der New York Review of Books publiziert wird, sowie literarischer Herausgeber der »Murty Classical Library of India«.

Mit »Works on Paper« [Ü: Arbeiten auf Papier] erschien 1986 sein erster Band mit Essays. Inzwischen liegen auf Englisch sechzehn Bände vor, darunter »An Elemental Thing« [2007; dt. »Das Wesentliche«, 2008], »The Ghosts of Birds« [2016; dt. »Vogelgeister«, 2017] und »Angels & Saints« [2020; Ü: Engel & Heilige]. »Neulich in Amerika« [2020], eine Sammlung seiner politischen Texte über die Politik unter den Regierungen Bush und Trump, ist nur auf Deutsch erschienen.

»Seine enzyklopädische Neugier weitet sich krakenarmig in auch ferne Orte und Zeiten«, heißt es in der Begründung der Jury des Bremerhavener Jeanette-Schocken-Preises, mit dem Eliot Weinberger 2021 ausgezeichnet wurde. Und tatsächlich scheint es für ihn thematisch keine Grenzen zu geben – seine Texte widmen sich dem Liebesleben von Nacktmullen, isländischen Sagas, neuseeländischen Vögeln, dem Wind und den Sternen oder Menschen namens Chang. Auch formal nutzt er das in seinen Augen unbegrenzte Potenzial der Gattung in seiner ganzen Breite aus. So ähneln viele seiner Texte eher Prosagedichten oder Erzählungen als traditionellen Essays, auch wenn sie keineswegs fiktiv sind. »Ich erfinde nie etwas«, sagt Weinberger und betont damit die Nachprüfbarkeit aller noch so fantastisch erscheinenden Details. Seine poetischen Essays bezeichnet er als »seriellen Essay«, das heißt als Folge lose zusammenhängender Texte, die potenziell unendlich weitergeführt werden kann. In all diesen Texten widmet sich Weinberger nichts Geringerem als mehreren Tausend Jahren Natur- und Menschheitsgeschichte. »Die Essays von Eliot Weinberger verzaubern die Welt und verändern unser Denken«, schrieb »DIE ZEIT«, »sie sind Wunderwerke.«

Weinbergers Prosagedicht »What I Heard about Iraq« [2005; dt. »Was ich hörte vom Irak«, enthalten im Band »Neulich in Amerika«] avancierte zu einem vielbeachteten Internet-Phänomen und wurde, gefördert durch das ilb, in weltweiten Lesungen zur Aufführung gebracht. Regelmäßig schreibt er für internationale Publikationen wie die »London Review of Books«. Sein Werk wurde in über dreißig Sprachen übersetzt.

Stand: 2022